GeheimeGezeiten

Gezeitengeheimnisse.

Geheimnisvolle Gezeiten.

Gezeitengeheimnis.

Die Geheimnisse aus dem Meer. Die Geheimnisse der Nordsee.

„Der überraschende Fund dieser Driftkarte ist ein spannendes Zeugnis der historischen Meeresforschung. Er zeigt, wie in der Vergangenheit Meeresströmungen untersucht wurden – eine Aufgabe, die das BSH heute mit modernster Technologie fortführt. Doch das Ziel bleibt dasselbe: die Dynamik der Meere zu verstehen und wertvolle Erkenntnisse für Umwelt- und Klimafragen zu gewinnen“

BSH-Präsident Helge Heegewaldt

Auf Juist werden oftmals die verrücktesten Dinge angespült oder freigespült. Da sind einzelne Schuhe, die beim Transport über Bord gegangen sind, Teile von Schleppleinen oder Fischernetzen. Machmal erkennt man nicht mal mehr, wozu der Splitter Plastik gehört oder das Stückchen Metall, was angetrieben wird. Meeresmüll halt, der der Umwelt alles andere als guttut. Aber es werden auch mitunter Wale angespült. Manchmal sind es aber auch kleine Geheimnisse, die wir nach einer Flut am Meeressaum finden können. Echte Geheimnisse des Meeres.

So auch in diesem Falle: An den Juister Strand hat sich eine Driftkarte verirrt.

Hä, was ist das denn? Stell dir ein eingeschweißtes Infopapier vor, dem eine Postkarte beiliegt.

Vielleicht kannst du dir schon denken, was darauf steht. Ansonsten sage ich es dir gerne. Auf der Karte, die auf Juist gefunden wurde, ist zu lesen:

„Dieser Umschlag ist einer von vielen tausenden, die vom Deutschen Hydrographischen Institut ins Meer geworfen wurden, um die Gebiete ausfindig zu machen, von denen Öltriebstoff aus Tankern über Bord gelassen wurde, an die Küsten der Nordsee triebt. Bitte helfen Sie mit, indem Sie die vier Fragen auf der Rückseite der Postkarte beantworten und die Karte an das Deutsche Hydrographische Institut schicken. Schreiben Sie bitte deutlich in Blockschrift. Eine Belohnung im Gegenwert von DM 1,50 wird für jede zurückgesandte Karte bezahlt.“

Geheimnisvolle Gezeiten

„Welcher Entdecker hat das schon bemessen, wie weit sich die äußersten Vorgebirge der Möglichkeit ins Meer der Unmöglichkeit hinein erstrecken?“ – Johann Nepomuk Nestroy

Driftkarten: Geheimnisvolle Botschafter der Gezeiten.

Diese Driftkarten wurden also früher an bestimmten Punkten ans Meer geworfen, um die Strömungen zu untersuchen, oftmals um Ölverschmutzung nachvollziehen zu können. Klingt für heutige Verhältnisse seltsam, war aber eine anerkannte Forschungsmethode.

Treffend fasst es der BSH-Präsident Helge Heegewaldt zusammen: „Der überraschende Fund dieser Driftkarte ist ein spannendes Zeugnis der historischen Meeresforschung. Er zeigt, wie in der Vergangenheit Meeresströmungen untersucht wurden – eine Aufgabe, die das BSH heute mit modernster Technologie fortführt. Doch das Ziel bleibt dasselbe: die Dynamik der Meere zu verstehen und wertvolle Erkenntnisse für Umwelt- und Klimafragen zu gewinnen“.

Anhand der Seriennummer (3896) können wir nachvollziehen, dass die Driftkarte, die auf Juist gefunden wurde, aus dem Jahr 1961 stammt.

Das Deutsche Hydrographische Institut (DHI) gibt’s zwar nicht mehr, aber der Nachfolger kann das erklären. Das Bundesamt für Schifffahrt und Hydrographie (BSI) mit Sitz im Hamburg ist unter anderem dafür zuständig, die Gezeiten vorauszuberechnen. Sie erklären: Es wurden über die Jahre bis zu 4.000 dieser Driftkarten zur Untersuchung der Meeresströmung verteilt. Ca. ein Drittel der Karten wurde gefunden – primär in England, Norwegen, Schweden, Dänemark und eben in Deutschland. Durch die zeitliche und räumliche Verortung der Funde dieser Driftkarten kann verstanden werden, wie die Strömungen der Meere funktionieren.

Ein ähnliches Phänomen passierte ungewollt, als 1992 fast 30.000 Gummienten im Pazifik auf dem Weg von Hong Hong in die USA über Bord gingen. Diese Gummienten wurden unter anderem in Alaska, Australien und Indonesien gefunden.

Geheimnisvolle Gezeiten.

Seit eigentlich immer schon gibt es die Gezeiten. Und seit Menschengedenken lösen die Gezeiten Fragen bei uns Menschen auf. Früher konnten wir sie nicht verstehen. Heute verstehen wir die Kräfte, die die Gezeiten ausmachen. Dennoch bleiben Tide, Flut, Ebbe, Hoch- und Niedrigwasser irgendwie … mystisch.
Machen wir uns auf eine Reise in die Vergangenheit:
Schon vierten Jahrhundert vor Christus stellte sich ein griechischer Geograph die Frage, was denn die Tiden auslöste und warum Springtiden (also Nipptide und Springflut) so regelmäßig so von der Norm abwichen.
Im 9. Jahrhundert wurde gemutmaßt, dass Temperaturänderungen auf der Erde die Gezeiten auslösten. Ca. sechshundert Jahre später sah man in der Forschung die Gezeiten als Beweis für die Drehung der Erde an, denn das Wasser würde durch diese Drehung hin- und herschwappen. Berühmte Männer stellten die Thesen auf, dass die Gezeiten durch die Bewegungen der Planeten zu erklären seien, oder dass die Gezeiten durch Reibung des Äthers zwischen Erde und Mond entstünden, oder dass die Gezeiten durch unterschiedliche schnelle Beschleunigung bedingt würden.
Erst der bekannte Isaac Newton entdeckte die Gravitation – und damit den entscheidenden Hinweis, wie die Gezeiten tatsächlich entstehen.

Geheimnisse der Meere: Wissenschaftliche Erforschung der Weltmeere heute.

Es sind Geheimnisse, die tief im Schoß der Nordsee geschlummert haben, die teilweisen Jahrzehnte unterwegs waren, um uns dann eine neue Facette des Lebens auf diesem blauen Planeten zu enthüllen.

Das Bundesamt für Schifffahrt und Hydrographie (BSI) untersucht auch heute noch die Strömungen in Nord- und Ostsee. Aber nicht mehr mit Flaschenpost und Driftkarte, sondern mit modernen Methoden. Auch heutzutage sind solche Berechnungen und Forschungen unerlässlich, um zum Beispiel nach Havarien Ölteppiche so gut wie möglich einzudämmen oder um herauszufinden, wo eine Umweltverschmutzung begangen wurde.

Und wie funktioniert diese Driftforschung heute? Mit Bojen. Klingt immer noch recht einfach, ist es aber nicht. Hochmoderne Argo-Treibbojen wurden in den Ozeanen verteilt und liefern immer Datenprofile. Knapp 4.000 dieser Bojen messen zu jeder Zeit die Fließgeschwindigkeit des Meeres. Möglich ist das nur durch eine internationale Kooperation.

Denn: Das Wasser ist da und wieder nicht da. Es ist immer in Bewegung. Alles ist im Flow. Das Wasser in den Ozeanen gehört niemandem und doch allen zugleich. Es verbindet uns Menschen über die Weltmeere miteinander.

Wie entstehen die Gezeiten?

  • Der Mond hat eine Anziehungskraft auf die Dinge auf der Erde.
  • Die Erde dreht sich.
  • Der Mond zieht das Wasser auf der Erde zu sich hin. Auf der Seite, die dem Mond zugewandt ist, bildet sich ein Flutberg.
  • Gleichzeitig entsteht auf der Gegenseite ebenfalls ein Flutberg. Warum? Durch die Fliehkraft der Erdrotation wird auch dort das Wasser von der Erde weggedrückt.
  • Währenddessen gibt’s quasi zwischen den beiden Flutbergen auf zwei Seiten der Erde (insofern man auf einer Weltkugel „Seiten“ hat) sozusagen „Täler“, denn das Wasser, das dort sein müsste, wird ja zu den Flutbergen gezogen
  • Nun dreht sich die Erde ja immer und so wandern diese Flutberge über die Weltkugel. So kommt es dazu, dass zweimal am Tag Hochwasser ist.
  • Die Erde dreht sich in ca. 24 Stunden einmal um die eigene Achse. Der Mond aber wandert auch auf seiner Achse um die Erde. Das dauert ca. 24 Stunden und 50 Minuten.
  • So kommt es, dass sich die Gezeiten von einem auf den anderen Tag um ca. 50 Minuten verschieben.

So ungefähr. Man könnte jetzt ganze Artikel über die Details und die Genauigkeiten der Gezeiten schreiben, aber wir belassen es jetzt erstmal dabei. Wir sind schließlich keine Experten, die sich in der Tiefe der Materialien auskennen.

Aber dieses Verständnis für die Gezeiten reicht erstmal aus, um nachzuvollziehen, wie es zu all diesen Geheimnissen rund um die Gezeiten kommt. So richtig konnte man diese Zusammenhänge früher wohl nicht verstehen. Und auch heute empfinde ich die tiefgehenden wissenschaftlichen Erklärungen teilweise für sehr kompliziert. Mir fehlt das detaillierte wissenschaftliche Verständnis, um alles genau zu verstehen.

Einmal kurz zusammengefasst: Der Mond übt eine Anziehungskraft auf das Wasser aus. So kommt’s zum Flutberg, einen zweiten Flutberg gibt’s genau dem Mond gegenüber. Die beiden Flutberge ziehen über die Welt. So kommt es zweimal am Tag zu Hochwasser an der Küste.

Was man noch nicht über die Gezeiten weiß.

Gibt’s denn noch echte Geheimnisse zu den Gezeiten? Also Fakten und Beobachtungen, die die Forschung nicht erklären kann? Na klar gibt’s die!

Das sind aktuelle Geheimnisse der Gezeiten:

  • In der Forschung sind die genauen Auswirkungen der Gezeiten aufs Klima noch nicht erforscht.
  • Nicht alle Details zu den Gezeiten pro Ort können lange im Voraus vorhergesagt werden. Es gibt noch immer lokale Ereignisse, die man nicht vorausberechnen konnte.
  • Der Einfluss der Gezeiten auf gewisse Ökosysteme während des aktuellen Klimawandels und dem damit einhergehenden Anstieg des Meeresspiegels sind auch noch nicht zu hundert Prozent bekannt.
  • Aktuell wird noch aktiv danach geforscht, wie die Gezeiten genutzt werden können, um dauerhafte, saubere Energie zu schaffen.

Geheimnisvolle Gezeiten.

Da wird ein Stück Papier und ein Stück Plastik angeschwemmt und ein Geheimnis der Gezeiten wird enthüllt: Sei es eine Driftkarte aus den 1960ern, eine Gummiente aus dem Pazifik oder ein Stück Netz von einem Fischer. All diese Gegenstände haben eine Geschichte. Sie alle beinhalten Geheimnisse, die gelüftet werden möchten und die uns die geheimnisvolle Nordsee näherbringen.

Die Strömungen sind auch heute in unserer technologisierten, wissenschaftlich erforschten Welt noch immer zum Teil geheim. Unerforscht. Unbekannt. Es gibt sie also noch: Geheimnisse. Das begeistert mich irgendwie. Die historischen Driftkarten sind eine Geschichte, die fasziniert.

Was also fördern die Gezeiten zu Tage? Müll leider oftmals. Aber auch Geheimnisse und Erkenntnisse. Es sind Geheimnisse, die tief im Schoß der Nordsee geschlummert haben, die teilweise Jahrzehnte unterwegs waren, um uns dann eine neue Facette des Lebens auf diesem blauen Planeten zu enthüllen. Die Geheimnisse der Nordsee machen mich sprachlos und erinnern mich daran, wie klein ich als einzelner Menschen bin im Vergleich zu unserer gesamten Erde. Diese Gezeiten mit ihren Geheimnissen bringen uns aber nicht nur bei Fluten ihre Geheimnisse näher, sondern auch die Ebbe ist dazu in der Lage, uns langst vergangenes Wissen zu vermitteln. Ich denke da an die sagenhafte untergegangene Stadt Rungholt, deren Zeugen auch heute noch mitunter bei Ebbe gefunden werden. Ich denke da aber auch an die Ruinen und Reste des Billdorfs. Die Gezeiten und die Nordsee zeigen uns ihre Geheimnisse, wenn wir denn aufmerksam und interessiert genug sind, sie wahrzunehmen.

Geheimnis der Gezeiten.

Und so sind es auch die alten Driftkarten, die uns die Geheimnisse der Meere enthüllen!

Alle Fotos in diesem Artikel haben wir freundlicherweise vom Bundesamt für Schifffahrt und Hydrographie (BSI) zur Nutzung zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank dafür!

Erfahre die Gezeiten:

Gezeiten.

Trotzdem oder gerade wegen der Gezeitenmagie: Das Segeln auf Juist ist ein Phänomen. Lerne Olaf kennen, den Vorsitzenden des Segelklubs!

Die Gezeiten.

Komm Katharina auf eine besondere Juist-Reise der Gezeiten.

2 Kommentare zu „Gezeitengeheimnisse.“

    • Hallo Jutta, vielen Dank für dein Feedback! Ich sehe, was du meinst: Das war tatsächlich so formuliert, dass man es missverstehen kann. Das hab ich direkt angepasst. Vielen Dank für dein aufmerksames Adlerauge!

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Julia Findeisen

Julia Findeisen lebt seit 2021 auf Juist. Sie schreibt über ihre absolute Leidenschaft: Genussmomente und Glücksorte. Juist ist für sie zur Heimat geworden.

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