Vom Genießen und Kochen.
Liebe geht durch den Magen: Ostfriesische Küche.
Du kennst das sicher: Wenn Mama oder Oma kochen, riecht es ganz wunderbar im gesamten Haus. In meiner Kindheit roch es auch immer ganz toll, wenn mein Vater am Wochenende für uns gekocht hat – frische Pizza, Brot, Brötchen, Fleisch. Nicht, dass hier der Verdacht aufkommen würde, ich würde sagen, dass nur Frauen kochen könnten oder sollten. Mitnichten!
„Das Eten smeckt lecker“.
Liebe geht durch die Nase und den Magen.
Ein Ausflug in die Küchen der Insel Juist steht an. Aus den Hotel- und Restaurantküchen duftet es ganz wunderbar. Wenn der Wind passend steht, bekomme ich Magenknurren auf dem Weg vom Büro nach Hause, weil es so gut riecht – würzig und „kräuterig“, ein bisschen fettig und nach ganz viel Aroma. Die Köche gehen ihrem Handwerk nach und ich könnte an jedem Küchenfenster klopf und um eine milde Gabe bitten, so unglaublich riecht es mitunter.
Vom Riechen zum Magenknurren geht’s bei mir ganz schnell.
Aber die Wissenschaft sagt uns ja auch genau, dass das Riechen ein absolut unverzichtbarer Bestandteil des Schmeckens ist. Auch wenn das beim ersten Lesen wenig Sinn zu machen scheint.
Die Zunge selbst kann nur fünf unterschiedliche Geschmacksrichtungen wahrnehmen. Diese Geschmacksrichtungen kann die Zunge unterscheiden:
- Süß
- Sauer
- Salzig
- Bitter
- Herzhaft / würzig (auch „umami“ genannt)
Den „Rest“ muss die Nase machen. Etwas übertrieben formuliert. Geschmacksnuancen ordnen wir entsprechend durch den Geruch ein. So riecht Schokokuchen ja auch schon ganz anders als ein Schinkenbrot. Den Unterschied würde man ja auch mit verbundenen Augen wahrnehmen, ohne abzubeißen.
Und so geht das mit dem Schmecken vs. Riechen: Natürlich riechen wir schon vor dem Abbeißen, aber wenn wir kauen, dann werden winzige Duftmoleküle gelöst, die dann durch den Rachen in die Nase gelangen. So können wir beim Kauen erst das Aroma eines Geschmacks oder Gerichts erst vollständig wahrnehmen.
Übrigens: Gerüche kommen direkt im Hirn an und werden nicht erst vom Thalamus verarbeitet, wie es bei anderen Sinneseindrücken der Fall ist. Und: Düfte sind emotional besetzt. Logisch, denn wenn ich ein Crêpe rieche, bin ich sofort wieder Kind und im Urlaub und muss mich vor gierigen Möwen in Acht nehmen.
Wenn man also nicht riechen kann zum Beispiel aufgrund einer Verletzung, Krankheit oder aus anderen Gründen, nimmt Aromen in Geschmäckern ganz anders wahr.
Und weil wir natürlich von Juist, dem Inselleben und dem Meer sprechen, möchte ich heute über ostfriesische Küche sprechen. Rezepte, die mitunter für mich unaussprechlich sind, aber ich muss sie in diesem Falle ja auch nur aufschreiben.
Ostfriesische Rezepte: Was zeichnet sie aus?
Die ostfriesische Küche findest du natürlich auf der ostfriesischen Halbinsel sowie auf den ostfriesischen Inseln. Die ostfriesische Küche ist in ihrer traditionellen Form eine deftige, bodenständige Küche ohne viel „Chichi“. Viele Eintöpfe gehören dazu und auch viel Fisch. Logisch, denn Wasser gibt’s in Ostfriesland ja schon immer viel. Gepökeltes Fleisch und Bohnen sind viel und gern genutzte Zutaten in ostfriesischen Rezepten.
Das ist tatsächlich nicht groß anders, als in meiner rheinischen Heimat, deren Küche auch viel Fleisch beinhaltet, aber auch durch die Flussfischerei gekennzeichnet wurde. Im meiner Heimat hatte aber auch die römische Küche Einflüsse, was in Ostfriesland durch die Friesische Freiheit nicht so arg der Fall war. Also gibt es definitiv Verbindungen der traditionellen Küche Ostfrieslands mit anderen Gebieten Deutschlands. Was ja logisch ist, denn die Kochkultur basiert auf historischen Begebenheiten wie der Landwirtschaft und da waren sich einige Gebiete des heutigen Deutschlands ja gar nicht mal so unähnlich.
Ostfriesische Rezepte
Ostfriesisches Kochbuch
Ich muss zugeben: Ich koche nicht besonders gut. Der Mann zuhause würde sagen, dass ich gut koche, aber zu viel experimentiere, weil ich mich aus Prinzip nicht ans Rezept halte. Wo blieben denn da dann auch das Risiko und der Sinn für Abenteuer? Jedenfalls wechseln der Mann und ich uns zuhause ab mit kochen und man merkt, dass er sich an Rezepte hält, das Kochbuch nutzt und viel mehr mit Strategie und Plan an dieses Unterfangen geht, denn bei mir ist immer Landunter.
Egal – Zuhause haben wir eines dieser uralten, vom vielen Nutzen „begrabbelten“ und leicht zerfledderten Kochbücher stehen. Aber nicht irgendeines, sondern eine sehr alte Ausgabe eines Ostfriesenkochbuchs, dessen Name ich hier nicht verraten will. Interessierte reißen sich darum. Ich muss aber gestehen, dass ich es noch nie aufgemacht habe. Unter anderem, weil ich viele der ostfriesischen Gerichte so lecker finde, dass ich sie beim Selbstkochen nicht verderben möchte.
Ostfriesland hat unglaublich tolle Gerichte zu bieten. Vielleicht würde man es nicht unbedingt glauben, aber tatsächlich ist die Küche Ostfrieslands breit aufgestellt. Klar, die Art des Kochens orientiert sich an den Gegebenheiten von Land und Meer. Die Landschaft hatte viel Fleisch und viele Kartoffeln, denn das gedieh schon immer gut hier. Einige der Rezepte sind wahre Klassiker – echtes Kulturgut von der ostfriesischen Halbinsel. Diese Verbundenheit von Kultur und Essen finde ich ja ungemein super!


Welche ostfriesischen Rezepte kennt man heute noch?
Oh, eine ganze Menge! Mit den ostfriesischen Rezepten ist es so wie mit Allem: Dinge ändern sich, Rezepte passen sich den aktuellen Bedingungen an. Sie werden verändert und in die neue Zeit übersetzt. Aber das ist ja auch das schöne dabei. Kulinarisch könntest du wohl jeden Tag ein anderes ostfriesisches Gericht kochen und dir würde ein ganzes Jahr lang nicht langweilig werden. Ob man das allerdings tun sollte und wie gesund die ostfriesische Küche ist, lasse ich jetzt hier mal lieber unkommentiert.
Ich habe euch hier mal einige ostfriesische Rezepte mitgebracht. Mit so einer kurzen kleinen Anleitung kann man natürlich kein Kochbuch ersetzen, denn die Autoren und Autorinnen solche Werke haben ja wirklich jeden Tipp und Ratschlag publiziert.
Sich aus Rücksicht auf Gäste nicht satt essen: „umtoeten“
Ostfriesische Rezepte zum Trinken
Ostfriesischer Tee
Starten wir mit einem absoluten Klassiker: Zu Ostfriesland – ob Festland oder Insel – gehört die Teetied wie das Fischbrötchen. Das Nationalgetränk der Ostfriesinnen und Ostfriesen gehört zum UNESCO-Weltkurlturerbe.
Die Teetied begehst du ganz klassisch mit dem richtigen Geschirr, hell und aus Porzellan, mit der ostfriesischen Rose auf Tassen und Kanne, die weiteren Utensilien wie Kluntjezang und Rohmlöpel aus wunderschön verziertem Silber.
- Zuerst platzierst du ein Stück Kluntje (Kandis) in deiner Tasse
- Dann wird der Tee aufgegossen. Apropos Tee: Es muss loser Tee sein, keine Beutelware. Und Ostftriesentee, kein Earl Grey oder sonstiges. Echte Ostfriesenmischung ist eine Mischung aus mehreren Schwarzteesorten, unter anderem auch aus Assam-, Ceylon- und Java-Tee. Ob Bünting oder Thiele Tee ist eine Ansichtssache. Darüber solltest du mit eingefleischten Teetrinker*innen nicht diskutieren.
- Danach nimmst du dir mit dem Sahnelöffel eine wenig Sahne (Wulkje) und lässt diesen am Innenrand der Tasse abperlen, am besten gegen den Uhrzeigersinn. Die Sahne bildet dann kleine Wölkchen. Das Ausmaß dieser Wölkchen hängt vom genutzten Leitungswasser ab. Manche sagen, die Wölkchen seien mit Juister Trinkwasser am schönsten. Das möge man für sich selbst rausfinden.
- Normalerweise probiert der Gastgeber die erste Tasse Tee, um zu schauen, ob der Tee gelungen ist.
- Danach gibt’s den Tee für die Gäste. Drei Tassen sind „Ostfriesenrecht“.
- Bitte niemals umrühren: Wenn du nicht umrührst, vermischen sich die Schichten sich und du trinkst quasi erst die Sahne, dann den Tee und schließlich den Zucker.
- Den Löffel brauchst du gar nicht wirklich benutzen, denn er signalisiert nur, dass du keinen weiteren Tee trinken möchtest. Aber am besten erst nach den drei Tassen, die dir nach Ostfriesenrecht zustehen.
Sanddorn-Spritz
Jedes Jahr hat sein Trend-Getränk, aber manche Getränke haben nun mal auch das Potential, Dauerbrenner zu werden. So auch der wunderbar spritzige, leicht bittere und absolut leckere Sanddorn-Spritz. Schmeckt wie die Küste. Und ist so einfach.
Mische einfach (alkoholfreien) Sekt, einen Schuss Sanddorn-Saft und Sprudelwasser. Dazu ein Eiswürfel und eine Orangenscheibe. Weil das Auge mitisst, noch ein wenig mehrfachverwendbare Deko wie Becher-Halter oder Strohhalm dazu und fertig ist der Sanddorn-Spritz.
Grog
Wärmend für innen und außen, ist der Grog ein echter Winterklassiker nach langen Strandspaziergängen oder Outdoor-Abenteuern. Und der Groß ist echt einfach zu bereitet: Mische heißes Wasser, Kandiszucker und Rum, veredle den Geschmack mit Avis, Zimt und / oder Orangen. Empfehlungen sagen ca. 500 ml Wasser auf ca. 5 EL Kandiszucker und 100 ml Rum. Aber du entscheidest natürlich selbst, wie stark der Grog wird.
Für Menschen wie mich, wie nicht gerne Alkohol trinken, sei gesagt: Es gibt auch alkoholfreie Rum-Alternativen, um den Grog-Genuss nicht missen zu müssen. Was schmeckt, musst du wohl oder übel für dich selbst rausfinden. Bei alkoholfreiem Gin könnte ich eher mit einer Meinung aushelfen.
Über wählerische Kinder beim Essen: „‘n good Swien frett alls“
Bohntjessopp
Apropos Alkohol: Eine echte Bohntjessopp gibt’s nur mit Alkohol. Und reichlich davon! Traditionell wird Bohntjessopp angesetzt, wenn ein Kind auf dem Weg ist. Das Gemisch zieht somit Monate hinweg und wird an Freund*innen, Familie und Nachbar*innen sowie Bekannte ausgeschenkt, wenn alle eingeladen werden, um den neuen Erdenbewohner kennenzulernen. Heute kann man aber Bohntjessopp auch zu anderen Anlässen ausschenken.
Ein festes Rezept gibt’s für Bohntjessopp nicht. Man macht das aus allem, was man so zuhause hat oder im Laden finden kann. Grundsätzlich werden Sultaninen oder Rosinen mit Zucker und Schnaps, am besten ostfriesischem Branntwein, gemischt.


Ostfriesische Rezepte für Desserts und Süßes
Stutenkerl
Den Stutenkerl kenne ich aus meiner rheinischen Heimat als „Weckmann“, ein süßes Gebäck in Form eines Mannes mit Rosinen als Knöpfen und Augen sowie Nase und Mund und mit einer Pfeife in den Händen. Zuhause gibt’s den Weckmann zum Martinsfest. Hier in Ostfriesland aber gibt’s den Stutenkerl pünktlich zum Besuch des Nikolaus am 06.12. eines jeden Jahres.
Rezept Stutenkerl:
Du brauchst:
- 750 gr Mehl
- 1 Päckchen Hefe
- Salz
- 150 gr Zucker
- Vanille-Extrakt
- Abrieb einer Zitrone
- 100 gr Butter
- 150 ml lauwarme Milch
- 2 Eier
- Rosinen
Vermische Mehl und Hefe, füge Salz, Zucker, Vanille und Zitronenabrieb hinzu. Lasse die Butter weich werden, mische die Butter, die Milch und die Eier zu den trockenen Zutaten. Knete alles (am besten mit der Maschine) zu einem glatten Teig. Lasse den Hefeteig im warmen, aber nicht heißen Ofen ca. eine halbe Stunde gehen. Knete den Teig anschließend gut durch. Heize deinen Ofen auf 180 °C Umluft vor. Forme den Teig zu einem Stutenkerl oder steche deinen Stutenkerl aus. Drücke Rosinen als Knöpfe und Augen in den Teig. Bestreiche den Stutenkerl mit Milch und lasse ihn erneut ca. 10 Minuten gehen. Danach darf er im Ofen ca. 20 Minuten fertig backen.
Neejahrskoken – Neujahrskuchen / Neujahrswaffeln
Ob man sie nun „Neujahrswaffeln“ oder „Neujahrskuchen“ nennt, spielt keine große Rolle. Denn schmecken tun sie unabhängig ihres Namens! Rund um Weihnachten tauchen bei mir und dem Mann diese Neujahrsleckereien einfach so aus. Der eine Kumpel backt sie unglaublich gut, die Oma steht in nichts nach. Ich freu mich jedenfalls. Für Neujahrswaffeln brauchst du ein spezielles Waffeleisen, wenn sie rund und flach werden sollen, oder eine einen Hörnchenautomat, wenn sie gerollt werden sollen.
Rezept Neejahrskoken:
Du brauchst:
- 375 gr Kandiszucker
- 750 ml Wasser
- 500 gr Mehl
- 250 gr Butter
- 3 Eier
- Kardamon, nach Belieben
- 1 – 2 TL Zimz
- Salz
- Anis
Löse den Kandis in heißem Wasser aus. Schlage Butter und Eier schaumig, hebe nun das Kandiswasser unter. Gib am Ende die Gewürze hinzu. Backe die Waffeln portionsweise aus, entweder im Waffeleisen oder im Hörnchenautomat.
Auch hier hat jeder und jede seinen und ihren besonderen Tipp, wie die Neejahrskoken besonders gut gelingen.
Wenn das Essen angebrannt ist: „De hund is mit de Sleev utnaiht.“
Friesentorte
Namensgebend sind die Friesen – in diesem Fall die Nordfriesen, denn die Friesentorte kommt wohl von Amrum. Trotzdem ist die Friesentorte ein leckerer Klassiker, den wir hier nicht unerwähnt lassen möchten.
Rezept Friesentorte:
Du brauchst:
- Für den Mürbeteig:
- 240 gr Mehl
- 160 gr Butter
- 80 gr Salz
- Salz
- Vanille-Extrakt
- Für die Streusel
- 100 gr Mehl
- 100 gr Zucker
- 50 gr Butter
- Salz
- Zimt nach Belieben
- Für das Pflaumenkompott
- 1 Glas Pflaumen
- 250 ml Traubensaft
- 60 gr Speisestärke
- 20 gr Zucker
- Eine Zimtstange
- Für die Creme
- 400 gr Sahne
- 4 TL Sahnesteif
- 250 gr Quark
- Puderzucker
- Vanille-Extrakt
Zutaten für den Mürbeteig kneten und ca. 15 Minuten in den Kühlschrank stellen. Danach die Teigmasse halbieren und zwischen Backfolie dünn ausrollen, platziere den Teig in einer Form. Belege ihn mit den Streuseln. Den Teig ca. 20 Minuten backen bei 180 °C Umluft.
Für die Streusel alle Zutaten mit den Fingern verreibe, sodass die Streusel entstehen.
Das Pflaumenkompott bereitest du zu, indem, du die Pflaumen abgießt und den Saft auffängst. Verlängere den Pflaumensaft mit Traubensaft. Verrühre einen Teil der Flüssigkeit in einem Topf bei mittlerer Hitze mit Zucker und Zimtstange. Schneide die Pflaumen klein und gib sie portionsweise bei. Koche die Flüssigkeit auf. Damit sich keine Haut bildet, kannst du die Flüssigkeit danach mit einer Folie abdecken.
Für die Creme schlägst du die Sahne steif, fügst den Quark und den Puderzucker hinzu. Verrühre solange, bis die Creme fest wird.
Nun ist es Zeit, die Torte zu schichten: Auf den ersten Hefeteig kommt die Flüssigkeit (bitte die Tore im Ring belassen, sonst wird das alles nichts), dann die Creme und am Schluss der letzte Hefeteig.
Rote Grütze
Lecker, leckerer, rote Grütze: Ich kenne rote Grütze nur aus dem Urlaub in Norddeutschland, für mich wird das immer so ein norddeutsches Ding bleiben, denke ich.
Rezept Rote Grütze:
Du brauchst:
- 500 gr Beeren (Tiefkühl-Beeren sind in Ordnung)
- 200 ml Kirschsaft
- Puddingpulver
- 80 gr Zucker
- Vanillezucker
- Salz
Kirschsaft mit Puddingpulver vermischen, dann in einen Topf mit dem Vanillezucker geben und aufkochen. Die Beeren mit der Mischung gemeinsam aufgießen und köcheln lassen, bis die Masse eindickt.
Gerne wird rote Grütze mit Vanillesoße oder Vanilleeis gegessen. Auch die Kombi mit Milchreis kenne ich.
Ostfriesische Rezepte mit Fleisch
Grünkohl mit Pinkel
Noch viel klassischer und stereotypischer wird’s nicht, wenn man sich ostfriesische Kulinarik anschaut, denke ich. Grünkohl gibt’s nach dem ersten Frost, der Tradition nach. Und ja, Kohlkönig und Kohlkönigin sind echte Auszeichnungen in Ostfriesland. Verstehen tue ich das nicht, muss ich aber auch nicht, hoffe ich. Grünkohl ist durch zahllose Minerale und Vitamine ein echtes Superfood.
Rezept Grünkohl:
Du brauchst:
- 1 kg Grünkohl
- 3 EL Hafergrütze
- 100 gr Schweineschmalz
- 1 TL Zucker
- 1 EL Senf
- 3 große Zwiebeln
- 500 ml Wasser
- 500 gr geräucherter Speck
- 4 Pinkelwürste
- Salz
- Pfeffer
Wasche den Kohl, befreie ihn von Stiel und Strunk. Drücke den Kopf danach ordentlich aus und schneide ihn klein. Erhitze das Schweineschmalz in einem Topf und dünste die kleingeschnittenen Zwiebeln darin an. Schmore den Kohl im gleichen Topf mit an. Dann gibst du Speck, Senf und Hafergrütze dazu und fülle das Wasser portionsweise ein. Alles muss ca. anderthalb bis zwei Stunden, je nach Menge, dünsten. Die Pinkelwurst gibst du hinzu, wenn alles noch ca. 30 Minuten braucht. Dazu werden gerne gekochte Kartoffeln gegessen.
Wenn zu wenig Essen auf den Teller kommt: „Dat kann ik in de holle Kuus bargen“
Snirtjebraten
Erstmal fangen wir mit der Übersetzung an: „Snirtjebraten“ bedeutet in etwa so viel wie „Brutzelbraten“. Gegessen wird dieser Braten gerne zu Weihnachten oder anderen Anlässen.
Rezept Snirtjebraten:
Du brauchst:
- 500 gr Schweinenacken
- 500 gr Schweineschulter
- 1 TL Senf
- Salz
- Pfeffer
- Paprikapulver
- 1 Zwiebel
- 500 ml Brühe
- 10 gr Speckwürfel
- 300 gr Kartoffeln
- Mehl
- Ei
- Paniermehl
- Gewürzgurken
Schneide das Fleisch klein, reibe es mit Senf und Gewürzen ein, lasse es über Nacht einziehen. Brate am nächsten Tag alles von allen Seiten kräftig an. Danach kommt das Fleisch mit Brühe ca. 40 Minuten lang bei 180 °C in den Ofen zum Schmoren. Schneide die Zwiebel in Runge, paniere sie mit Mehl, Ei und Paniermehl. Frittiere die Zwiebelringe. Pelle und koche die Kartoffeln, brate sie dann in einer Pfanne mit Speck, Fett und den Zwiebelringen an. Dazu kann man als Beilage Rotkohl, Kürbis oder Rote Bete reichen.
„Leckerbecken sünd wi neet, man wi eten, wat uns mundjet.“
Labskaus
Schmeckt wie Heimat: Labskaus ist noch so ein norddeutscher Klassiker, das es vom Seemannsfutter zum Norddeutschen-Highlight geschafft hat. Labskaus ist eher in Hamburg und Umland beheimatet, aber auch in Ostfriesland wirst du Labskaus mitunter auf den Speisekarten entdecken.
Rezept Labskaus:
Du brauchst:
- 1 kg gepökeltes Rindfleisch
- Lorbeerblätter,
- Pfeffer
- 4 Zwiebeln
- 100 gr Butter
- 1 kg Kartoffeln
- 400 gr eingelegte Rote Bete
- 200 gr Gewürzgurken
- 4 Matjesfilets
- Salz
Wenn du das Fleisch selbst einlegst, lässt du das Fleisch ca. einen Tag lang in Wasser entsalzen. Das Fleisch lässt du ca. 2 Stunden lang garen, nachdem du die Gewürze hinzugegeben hast. Pelle und schneide die Zwiebeln in kleine Stücke und dünste sie in einem Kochtopf mit der Butter an. Schneide Matjes, Rote Bete und Gurken in kleine Stücke, vermenge alles und gebe sie in den Kochtopf. Koche die Kartoffeln weich und schneide das Pökelfleisch so klein wie möglich. Vermische Kartoffeln und Fleisch, stampfe die Mischung und erhitze alles, während du dabei rührst.
Gerne wird zum Labskaus Gurken oder Spiegelei serviert. Aber alles ganz nach Geschmack.
Updrögt Bohnen
„Unaussprechlich, aber ausgesprochen gut“ – Das sagt mein Hirn, wenn ich versuche, dieses Wort auszusprechen. Will mir einfach nicht gelingen. „Upgrögt“ bedeutet „aufgetrocknet“ und bezieht sich darauf, dass man früher Lebensmittel haltbar gemacht hat, um sie auch im Winter konsumieren zu können. Die Zubereitung dieser Bohnen braucht viel Achtsamkeit und Geduld und Ausgeglichenheit, was du allesamt erstmal hier auf Juist tanken kannst.
Rezept Updrögt Bohnen:
Du brauchst:
- 500 gr Bohnen (reif, weichschalig, gerne „Speckbohnen“)
- 500 gr Kartoffeln
- 500 gr Speck
- Mettwürstchen
- Salz
- Pfeffer
- Essig
Du wäschst die Bohnen ordentlich und sorgsam und weichst sie in Wasser ein. Schneide die Bohen in ca. 2 cm lange Stücke. Koche die Bohnen für etwa eine halbe Stunde. Spüle die Bohnen anschließend nochmal ab. Nun mischst du Wasser, Speck und Bohnen und köchelst diese Mischung für zwei Stunden. 30 Minuten vor Ende packst du Kartoffeln und Würstchen sowie Mettenden dazu. Schmecke alles mit Salz und Pfeffer ab. Fertig ist’s.


Ostfriesische Rezepte mit Fisch
Maischolle
Maischolle kannte ich nicht. Liegt vielleicht an mir, weil ich ein Fischbanause bin. Aber als ich mit Gerd Rinderhagen über die Juister Fischereigesellschaft NO.PO.NI.RE gesprochen habe, ging es auch um die Maischolle, in dem Zusammenhang nämlich, dass die traditionelle Fischfang-Vorrichtung der „NOPO“ pünktlich stehen muss, damit die Maischollen gefangen werden können.
Rezept Maischolle:
Du brauchst:
- 800 gr Kartoffeln
- 500 gr weißer Spargel
- 500 gr grüner Spargel
- 4 Maischollen
- Walnüsse
- Schnittlauch
- 3 EL Weißweinessig
- 1 EL Balsamicoessig
- 100 gr geräucherter Speck
- 50 gr Mehl
- 2 EL Sonnenblumenöl
- Butter
- Salz
- Pfeffer
Bereite die Kartoffeln nach Belieben vor. Wir empfehlen einfache gekochte Kartoffeln, wofür du die Kartoffeln pellst und dann garkochst. Bereite auch den Spargel nach Belieben vor. Wir schlagen vor, den Spargel zu schälen, kleinzuschneiden und dann ein paar Minuten in Salzwasser zu kochen. Hacke die Nüsse. Schneide den Schnittlauch. Verrühre Essig, Gewürze, Kräuter und Nüsse miteinander. Übergieße den Spargel in einer Schüssel mit dieser Mischung. Würfele und brate den Speck, gebe die Kartoffeln zum Ende hin bei. Würze die Scholle mit Salz und wende sie in Mehl, gare die Scholle ca. 8 Minuten in Öl in einer Pfanne.
Wir empfehlen die Maischolle mit Kartoffeln und Spargel, weil das die traditionelle Version ist. Aber auch gemischtes Gemüse oder andere Beilagen sind natürlich möglich.
Krabbensuppe
Wusstest du eigentlich, dass Krabben in Ostfriesland „Granat“ heißen? Und eigentlich waren die früher ein Essen für arme Leute. Irgendwann hat die Nachfrage aber zugenommen und nun sind Krabben eher was für den gehobenen Geldbeutel, statt die arme Fischer. Es sei denn du gehst in den Prielen am Juister Strand Krabbenschieben und besorgst dir deine Krabben selbst. So im Oktober oder November sind die richtigen Gegebenheiten dafür da. Was aber nicht bedeuten soll, dass plötzlich hunderte Leute am Juister Strand nach Granat fischen sollten. Sonst ist am Ende nichts mehr übrig.
Rezept Krabbensuppe:
Du brauchst:
- 650 gr Kartoffeln
- 100 gr Speck
- 100 gr Lauch
- 100 gr Butter
- 1 Zwiebel
- 1 l Brühe
- 450 ml süße Sahne
- 350 gr Granat / Krabben,
- Petersilie
- Muskat
- Salz
- Pfeffer
Schale die Kartoffeln, schneide sie klein. Weiderhole das Prozedere mit Lauch, Zwiebel und Speck. Brate den Speck mit Butter an, gib die Zwiebeln zum Ende hin dazu. Gieße die Brühe hinzu, füge Lauch und Kartoffeln dazu. Lasse diesen Sud ca. 20 bis 30 Minuten köcheln, je nach Größe der Kartoffelstücke. Püriere den Sud und hebe die Sahne unter. Gib nach Geschmack Salz, Pfeffer und Muskatnuss dazu. Als letztes folgen die gepulten und gewaschenen Krabben, die einfach untergehoben werden.
Smakelk Eten! („Guten Appetit!“)
Matjessalat
Ich weiß nicht, ob du dieses Phänomen kennst, aber mir schmeckt der Tee im Urlaub beim Frühstück besser, als der exakt gleiche Tee zuhause. Ähnlich ist es mit den Fleischbällchen von Ikea. Das ist sogar wissenschaftlich anerkannt, denn die Situation, in der du bist, und dein Gefühlszustand sorgen dafür, dass dir etwas als besser in Erinnerung bleibt, als es war. Du schmeckt gleichzeitig aber auch anders. Faszinierend, oder? Dann musst du auf Juist ja nun wahrlich die beste Matjessuppe deines Lebens essen!
Rezept Matjessalat:
Du brauchst:
- 12 Matjesfilets oder 6 küchenfertige Matjesheringe
- 2 Zwiebeln
- 1 Apfel
- 2 Gewürzgurken
- 200 ml süße Sahen
- 200 gr. Saure Sahne
- 2 TL Senf
- 1 TL Zucker
- Salz
- Pfeffer
- 2 EL gehackter Dill
Falls du küchenfertige Matjesheringe gekauft hat: Wasche und trockne die Matjesheringe, schneide Schwanz und Kopf ab. Schneide den Rücken der Matjes der Länge nach ein und löse den Fisch von der Mittelgräte, auch von der zweiten Seite. Diesen Schritt kannst du überspringen, wenn du fertige Matjesfilets gekauft hast. Lege den Matjes in kaltes Wasser zum Entsalzen (ca. eine Stunde). Schneide die Zwiebeln in Ringe, nachdem du sie gewaschen und gepellt hast. Wasche den Apfel, schäle und achtele ihn. Entferne das Kerngehäuse. Schneide den Apfel in feine Spalten. Schneide die Gurken in feine Würfel. Schlage die süße Sahne cremig. Achte darauf, nicht zu fest zu schlage. Gebe die Gewürze und die saure Sahne dazu. Nimm die Matjesfilets aus dem Wasser, trockne sie und schneide sie in kleine Stücke. Vermenge die Matjesstücke mit der Sauce und stelle das Gemisch mindestens 24 Stunden kalt. Als Beilage kannst du Pellkartoffeln und grüne Bohnen nehmen.


Ostfriesische Esskultur
Ich liebe essen. Ich liebe es, das zu essen, was in anderen Regionen typisch ist. Aber ich bin leider auch sehr wählerisch. Dennoch sind es die Gerüche und Aromen des Essens in Ostfriesland, die uns viel über die Kultur und die Historie des Gebiets erzählt. Seit ich klein bin, fantasiere ich darüber, ein eigenes Restaurant aufzumachen. Spoiler: Es wird für immer eine Fantasie bleiben, weil ich weder eine besondere passionierte Köchin bin, noch besonders gerne dann arbeiten würde, wenn alle anderen freihaben. So oder so – In meiner Fantasie ist es ein Restaurant, in dem man sich von Woche zu Woche durch eine andere Region der Welt schnabuliert und zugleich die Kultur kennenlernen. Wäre die Ostfriesland-Woche da, würde es einige dieser leckeren Gerichte geben, dazu eine Art Strandbar mit Füßen im Sand und viel Möwengeschrei dazu. Wobei Ostfriesland natürlich sehr viel mehr ist, als das. Aber so bekommt man schon mal einen ersten Vorgeschmack.
So oder so – ich hoffe, dass du beim Lesen Magenknurren bekommen hast, fürs nächste Abendessen einige Ideen mitgenommen hast und quasi die Gerüche und Aromen dich in der Nase kitzeln!
In diesem Sinne wünsche ich dir:
Noch mehr Lust auf die ostfriesische Küche?
Die Rezepte von Klassikern wie „Speckfetten-Grau-Arten“, Brownies und Winterkabeljau mit Senfbutter und Gemüse verrate ich an dieser Stelle nicht, denn das hat Sandra Lüpkes im Juist-Podcast „SandBankLiebe“ bereits thematisiert. Da solltest du unbedingt reinhören – aber wir übernehmen keine Haftung, wenn dein Bauch so laut knurrt, dass du die nächsten Worte im Podcast nicht mehr verstehen kannst. Aber zum Glück kann man ja zurückspulen.
Noch mehr Lust auf die ostfriesische Küche?
Die SandBankLiebe von Juist in der Nordsee
Die Schriftstellerin Sandra Lüpkes trifft Menschen, denen es so geht wir ihr: „Juist hat meinem Leben eine neue Richtung gegeben“. Ein Podcast über die Liebe zum Meer, der Insel Juist und wegweisenden Momenten.
Heute erfüllt Sandra Lüpkes sich einen Wunsch und schaut in Juister Kochtöpfe. Was essen die Inselmenschen gern – und wovon schwärmen die Gäste?
Welche Torte war im „Kompass“ immer zu erst ausverkauft, welche Extrawürste werden in der „Villa Charlotte“ gebraten und wieviel Senf gibt der Spitzenkoch im „Achterdiek“ dazu?
Sandra Lüpkes trifft Inka Extra, bei der seit Generationen Hausmannskost serviert wurde, aber seit diesem Jahr die Küche kalt bleibt. Sie spricht mit Frauke Rose, die der Bäckerfamilie Remmers entstammt, das Kuchenbacken jedoch lieber als Hobby betreibt, aber eigene Backbücher auf den Markt bringt. Und sie darf selbst zum Kochlöffel greifen, wenn der aus Franken stammende Stefan Danzer mit ihr Nordseefisch auf höchstem Niveau zubereitet.
Die Rezepte gibt es natürlich auch zum Nachkochen. Guten Appetit!
+++ Die Bilder und ganze Geschichte zum Podcast findest du unter:
https://seezeichen.juist.de/podcast


Fotos und Bilder: Canva Media

