Wissendurst.

Selbstvertrauen verleiht Flüüügel.

Den Horizont als Ziel.

Fliegen lässt Flügel wachsen.

Wer träumt nicht vom Fliegen? Stell dir vor: Du hast selbst den Steuerknüppel in der Hand, bist selbst verantwortlich für diese Gerätschaft. Die über den Wolken schwebt, nichts unter dir, als Luft und Wind. Du hast alles selbst in der Hand.

Zugegeben: Ich hätte Schiss. So richtig. Ich habe eine gewisse Höhenangst und ein bisschen Klaustrophobie. Besonders schränkt mich das im Alltag nicht ein, aber der Gedanke, in einem kleinen Segelflugzeug zu sein über den Wolken und selbst das Steuer in der Hand zu haben, da bekomme ich Herzklabaster. Ich wäre kein einfacher Fall für die Lehrerinnen und Lehrer an der Jubi, das habe ich im Gefühl. Jörg lacht, als ich das sage. „Solche Fälle haben wir oft. Aber bisher ist noch jeder geflogen – wir zwingen niemanden dazu, aber wir machen alles möglich“, sagt er mir. Und Jörg muss es wissen, denn er ist der Chef der Jugendbildungsstätte hier auf Juist am Kalfamer, dem Ostende der Insel.

Aus dem Flugzeug sieht man den Horizont weiter entfernt, als vom Boden. Und das Fliegen verrückt den Horizont auch. Warum das so ist, verrät mir Jörg Bohn im Gespräch über die Jubi und die jungen Menschen, die ihre Flügel auf der beschaulichen Insel Juist finden.

Streben nach Wissen und Perspektive – Die Entdeckung und die Erweiterung des Horizonts

Perspektive kann sich nicht nur auf unsere Sicht auf uns selbst beziehen, sondern auch auf die Sicht anderer auf uns oder darauf, wie wir die Welt und unser Leben sehen.

  • Sind wir zufrieden?
  • Glauben wir an eine höhere Instanz?
  • Streben wir nach Veränderungen?
  • Sind wir zufrieden im Leben?
  • Empfinden wir Glück im Alltag?

Und diese Perspektive ist doch genau wie das Sinnbild des Horizonts: Der Horizont als Metapher für Neugier und Tatendrang und als Metapher für ständiges Lernen verlangt, dass man aktiv sein muss, um den eigenen Horizont zu erweitern. Die Motivation, den eigenen Horizont zu erweitern, muss aus einem selbst kommen – sie muss intrinsisch sein, aber manchmal braucht es einen Anschubser und den erhält man bei der Jubi.

Was also ist dieser Gedanke, den Horizont zu erweitern? Wenn wir den Horizont als das Ende der Dinge sehen und als Grenze, bedeutet das ja auch, dass die Distanz bis zum Horizont eine freie Fläche voller Möglichkeiten ist. Um diese Fläche voller Möglichkeiten zu vergrößern, muss der Horizont weiter weg sein. Und der Horizont ist nur dann weiter weg, wenn wir höher stehen. Höher können wir nur dann stehen, wenn wir mehr wissen und mehr verstehen und uns selbst zutrauen, mehr zu schaffen und zu erreichen.

Genau das ist ja das Credo der Jubi auf Juist:

Du kannst mehr, als du denkst.

Motto der Jugendbildungsstääte Theodor Wuppermann e.v. auf Juist

Besonders hoch sind wir, wenn wir fliegen. Auszubildende kommen zur Jugendbildungsstätte auf Juist und lernen das Fliegen. Etwas, das sie sich nie selbst zugetraut hätten. Sie erweitern ihren Horizont, indem sie etwas lernen, Selbstvertrauen gewinnen und diese positiven Gedanken auf andere Bereiche ihres (Arbeits-)Lebens übertragen. Sie geben sich selbst Flüge und sie erweitern selbst ihren Horizont, die Jubi gibt „nur“ den Raum dazu.

Wer fliegen lernt, schwebt hoch und damit rückt der Horizont automatisch weiter in die Ferne und der Raum voller Möglichkeiten wird größer, die Welt wird größer, als die, die wir uns vorher selbst beschnitten haben. Mal liegt der Horizont bei unserer Suche nach Wissen und Perspektive im Nebel und mal klar und deutlich vor uns. Durch äußere Einflüsse ist der Horizont versperrt – Häuser, Berge und mehr unterbrechen unseren Blick auf den Horizont. Mal ist der Horizont klar und deutlich und ewig weit entfernt, wenn die flache Landschaft und das gute Wetter Sicht bis ins Nirgendwo erlauben. Aber so ist ja auch das Leben mit einfachen Phasen und nicht ganz so einfachen Phasen.

Sie können nicht an neue Horizonte schwimmen, bis Sie den Mut haben, das Ufer aus den Augen zu verlieren.

William Faulkner

Über die „Jubi“ – Die Jugendbildungsstätte Theodor Wuppermann e.V.

Ich finde, die Jubi ist noch immer – vollkommen zu Unrecht! – ein verstecktes Juwel. In meinen über vier Jahren auf der Insel habe ich nicht viel von der Jubi mitbekommen, was primär an der Lage liegen muss. Für Juister Verhältnisse ist die Jubi weitab vom Schuss. Plus: Die Zielgruppe der Jubi kommt vom Festland. So bekommt man wenig mit, was die alles Tolles anbieten, was echt eine kleine Schande ist, denn holla, die Waldfee, bieten die da viel an!

Ich habe von Berufswegen ja viel mit den Veranstaltern und den Organisatoren zu tun und bekomme viel mit. Nicht unbedingt Klatsch und Tratsch, aber darum geht’s ja auch nicht. Ich weiß normalerweise recht gut, wer was anbietet, aber die Jubi ist ein echtes Schatzkästchen voller grandioser und unerwarteter Dinge.

Aber von vorne …

Die Aufgabe und Ausrichtung der Jubi auf Juist:

Auf ihrer Website schreibt das Team der Jugendbildungsstätte Juist:

Gemeinsam entwickeln wir neue Fähigkeiten und Potentiale und helfen den Jugendlichen, neue Horizonte zu erschließen und über ihre Grenzen zu gehen.

Im Gespräch mit Jörg Bohn, der die Jubi Juist leitet, betont er, dass der Grundsatz „Du kannst mehr, als du glaubst“ von den Teilnehmer*innen im Herzen getragen wird. Fliegen zu lernen, ist nur ein Beispiel. Die Teilnehmer*innen lernen, ein Flugzeug zu landen. Eine Aufgabe, die unglaublich groß und kompliziert erscheint, die man sich nicht zu traut. Aber genau das ist der Irrglaube: Das sei gar nicht so schwer, sagt Jörg Bohn, der zu unserem Termin in der Jubi perfekt pünktlich angeflogen kommt, denn er war auf dem Festland, Dinge erledigen.

Die Teilnehmer*innen lernen also ein Flugzeug zu fliegen. Das zu können, selbst, „einfach so“, ohne die sprichwörtlichen Stützräder, beflügelt. Es erweitert den Horizont. Die – oftmals jungen – Leute nehmen diesen Glauben an sich selbst mit nach Hause und mit in ihr weiteres Leben. Sie glauben an sich. Sie lernen, dass sie mehr können, als sie sich selbst zu trauen. Und das ist doch wunderbar! Der Glaube an sich selbst und das eigene Selbstvertrauen sind grundlegende Eigenschaften, die uns durchs Leben begleiten. Gut so. Viele von uns sollten positiver von uns selbst denken, mehr Vertrauen in uns und unserer eigenen Fähigkeiten haben.

Konkret bedeutet das, dass Firmen ihre Auszubildenden oder Duale Studenten in Gruppen an die Jubi schicken, damit sie dort Zeit verbringen. Nicht jede Firma macht das natürlich, sondern viele der Jubi-Kunden kommen aus dem Bereich der Fliegerei, aus dem Transportwesen oder der Automobilindustrie. Zu den Kunden, die man nennen kann, gehören Airbus, Hapag-Lloyd, Bombardier, EWE und viele weitere.

In dieser Zeit lernen diese Menschen verschiedene Dinge, zum Beispiel das Fliegen. Aber auch Kreativkurse, Teambuilding und Sport stehen auf dem Programm. So lernen die Teilnehmer Innovation, Teamgeist, selbstständiges Handeln, kritisches Denken und Verantwortung. Und in unserer heutigen Welt (Achtung, das ist nur meine Meinung), in der uns vieles vorgekaut wird und wir genau diese Fähigkeiten in der Schule nicht immer vermittelt bekommen, sind das unglaublich wertvolle Skills, die uns im Leben weiterbringen.

Die Jubi sagt dazu, dass vor allem Auszubildende (noch) nicht wissen, wie groß ihr eigenes Potential ausfällt und was für Fähigkeiten sie haben. Noch kennen sie Eigeninitiative und intrinsische Motivation nicht so gut. Verantwortung mag sich anfühlen wie eine Belastung. Eigene Entscheidungen zu fällen, das erscheint schwer. Herausforderungen sind negativ konnotiert. Identifikationen mit Job und Firma fallen schwer. Sozialer Kontakt wirkt kompliziert. Es fällt schwer, sich eine eigene Meinung zu bilden, wenn kein Vertrauen in die eigenen Gedanken und den eigenen Selbstwert besteht.

„Und warum ist das so?“, fragst du dann. Die Antwort der Jubi lautet: „Weil der Raum bisher gefehlt hat, eigene Fähigkeiten zu entwickeln“.

In der Schule lernen wir passiv: Wir bekommen Wissen präsentiert und müssen dieses Wissen wiedergeben und anwenden. Was aber oft im klassischen Lernen in der Schule nicht vermittelt wird, ist die Selbstständigkeit auf Probleme eine eigene Lösung zu finden, zu denken und zu handeln.

Pädagogik der Jubi Juist:

Du kannst mehr, als du denkst.

Leitmotiv der Jugendbildungsstätte Theodor Wuppermann e.V. auf Juist

Die Jubi folgt dem Konzept der Erlebnispädagogik: Statt Theorie und Frontalunterricht konzentriert man sich hier auf eigene Erfahrungen und Erlebnisse, die etwas lehren.

Und: Natürlich richtet man sich nicht nur an Auszubildende, sondern auch Kinder, Führungskräfte und alle anderen Menschen und Gruppen sind gerne gesehen, um bei der Jubi den Glauben an sich (wieder) zu entdecken! Wichtig ist hierbei:

  • Der Weg ist Teil des Ergebnisses“ – Lernen entsteht durch Erleben, Ausprobieren und gemeinsames Handeln. Für mich: Der olympische Gedanke zählt. Fehler gehören zum Lernen dazu.
  • Verantwortung wächst im Tun“: Wer Entscheidungen trifft und Verantwortung übernimmt, gewinnt Selbstvertrauen und Orientierung. Für mich: Nur zugucken, ist zwar gut, aber hilfreicher für dauerhaftes Umdenken ist es, selbst Hand anzulegen.
  • Gemeinschaft trägt Entwicklung“: Persönliches Wachstum entsteht im Miteinander, nicht im Alleingang. Für mich: Wir alle sind keine Inseln, wir sind soziale Wesen und nur im Diskurs und der Gemeinschaft mit anderen sind wir stark und entwickeln uns weiter, denn andere Menschen können uns helfen, unseren Horizont zu erweitern. Team work makes the dream work.
  • Reflexion schafft Orientierung“: Erfahrungen werden gemeinsam betrachtet, eingeordnet und weitergedacht. Für mich: Feedback ist wichtig, ohne Feedback können wir uns nur auf unsere eigene Einschätzung verlassen und das Bild von außen würde komplett fehlen. Auch Kritik muss ausgehalten werden.
  • Grenzen achten, Mut ermöglichen“: Sicherheit, Freiwilligkeit und Respekt bilden die Grundlage von Entwicklung. Für mich: Um unseren Horizont zu erweitern, braucht es Vertrauen in uns selbst, wir müssen von Profis, Vorgesetzten und Älteren mit Respekt behandelt werden. Sie müssen uns etwas zu trauen, damit wir uns selbst etwas zu trauen können.
  • Begegnung auf Augenhöhe“: Ehrlich und wertschätzend. Für mich: Volle Transparenz, Offenheit und kritische Einordnung gehören dazu, ebenso wie eine Vorschuss-Portion Vertrauen.

Die Angebote an der Jubi Juist:

Die Jugendbildungsstätte Theodor Wuppermann e.V. auf Juist macht ein bereits – also ein wirklich breites – Angebot an verschiedenen Kursen. Alle aufzählen kann und will ich gar nicht. Wen das tiefer interessiert, ist auf der Website der Jubi Juist super aufgehoben und kann hier in aller Ruhe schmökern und stöbern.

Zu den Aktivitäten und Projekten, die die Teilnehmer angehen, gehören:

  • Fliegerei
  • Kreatives Schreiben, Theater, Malerei, Installationen, Fotografie, Video, Musik, Urban Art
  • Brandungspaddeln
  • Klettern, Bogenschießen
  • Yoga, Achtsamkeitstraining

Auf dem Gelände der Jubi finden sich zum Beispiel ein Restaurant, Hangar, Werkstatt, Büros, Speisesaal, Bungalows, Seminarräume und noch viel mehr.

Im Rahmen des Kurses teilen sich die Teilnehmer*innen in einzelne Kreativprojekte auf mit ca. 7 bis 8 Personen pro Projekt. So ein Projekt kann eigentlich alles Mögliche sein, zum Beispiel ein Lied zu texten oder kreativ zu schreiben. Ziel ist es in jedem dieser Kreativprojekte, ein Statement zu entwickeln, darauf basierend entsteht eine Kreatividee, ein Prototyp und eine Präsentation des Ergebnisses.

Die Auszubildenden-Programme der Jubi dauern in der Regel 11 Tage.

Und so in etwa sieht das Programm aus:

Vorbereitung:

  • Projektmeetings
  • Juist-Bucket-Lists
  • Auftakt –> Selbstreflexion, mentale Vorbereitung & Motivation

Tag 1:

  • Anreise
  • Begrüßung
  • Tour übers Gelände der Jubi
  • Briefing zum fliegen

Tag 2:

  • Projektstart
  • Erste Flugeinheit
  • Inseltour & Team-Challenge

Tag 3, 4, 5:

  • Aktivitäten
  • Fliegen
  • Projekte
    • Diskussion
    • Innovation
    • Planung

(Tag 1 bis 5 –> Orientierung im neuen Umfeld, erstes Verlassen der Komfortzone, Einlassen auf neue Herausforderung, Umgang mit Misserfolgen)

Tag 6: Tag zur freien Verfügung

Tag 7, 8, 9:

  • Aktivitäten
  • Fliegen
  • Projekte
  • Persönliches Feedback
  • „Brief an mich selbst“

Tag 10:

  • Debriefing Fliegen
  • Projektauswertung
  • Kursabschluss, Urkundenübergabe
  • Event und Projektpräsentation

(Tag 7 bis 11 –> Gruppendynamische Problemlösungen, Reflexion, Kreativität erleben, Erfolge erleben, Harmonisierung der Gruppe, Identifikation mit Produkt und Team, Erfahrung von Wertschätzung, effektive Ressourcennutzung)

Tag 11: Abreise

Danach: Transfersicherung (online) –> Festigung des Gelernten und Selbstreflexion

Das Schlimmste aber, wenn man ein Gefängnis aus unsichtbaren Mauern bewohnt, ist, dann man sich der Schranken nicht bewusst wird, die den Horizont versperren

Simone de Beauvoir

Und was kommt am Ende dabei raus? Die Auszubildenden haben neues Selbstbewusstsein, gehen konstruktiver mit Herausforderungen um, übernehmen lieber Verantwortung, entfalten sich mehr am Arbeitsplatz, arbeiten an ihrem Urteilsvermögen und damit an ihrer Entscheidungsfähigkeit. Sie nutzen kreative Methoden, um Probleme zu lösen, wollen Veränderungen bringen und mittragen, trauen sich eher, Neues zu wagen, arbeiten besser in Teams und noch viel mehr.

Dabei ist „Perspektive Juist“ das Beispielangebot für Auszubildende, die auf Juist und an der Jubi ihren Horizont erweitern möchten.

Die Geschichte der Jubi Juist:

1959, Juist: Drei Menschen hatten eine Idee, eine Idee, die von einigen sicherlich als „wahnwitzig“ und „verrückt“ abgestempelt, wurde, aber der Erfolg gab ihnen Recht. Der Namensgeber der heutigen Bildungsstätte, Theodor Wuppermann, und seine Frau, Marlies Wuppermann, veranstalteten gemeinsam mit Hans Kolde (dessen Namen man auf Juist kennen muss!) ein Zeltlager in den Dünen. Mehr noch: Sie wollten einen Ort schaffen, der jungen Menschen die Chance gibt, über sich selbst herauszuwachsen. Da das Trio die Fliegerei liebte, lag der Gedanke nahe, mit der Metapher und der tatsächlichen Tätigkeit des Fliegens die jungen Menschen anzuleiten und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihren Horizont zu erweitern.
Das erste Fliegerlager fand also mitten in den Dünen mit Zelten statt. 1956. Heute: Mehr als 100.000 junge Menschen haben an der Jubi Juist ihre eigenen Grenzen überwunden.

Lebenslanges Lernen

Lebenslanges Lernen: Darüber wird viel in pädagogischen Zusammenhängen gesprochen. Als ich meinen Ausbilderschein gemacht habe, wurde viel darüber gesprochen, wie früher eine Ausbildung verlief und wie das heute und in der Zukunft der Fall sein sollte. Während früher Tätigkeiten im Beruf vermittelt wurden, soll heute den Auszubildenden gezeigt werden, wie sie sich selbst etwas beibringen können und dass man ihnen die berühmten Soft Skills vermitteln solle – bzw. ihnen helfen solle, diese Soft Skills selbst zu finden. In der traditionellen Ausbildung hat der Ausbilder den Auszubildenden vorgemacht, was sie tun müssen, das erklärt und dann haben die Auszubildenden das unter Aufsicht selbst gemacht. Außer den eigentlichen Arbeitsschritt lernt man dabei nichts – wenngleich diese Art des Vermittelns natürlich auch ihren Platz hat, bei gefährlichen Aufgaben zum Beispiel. Mir hat man dann aber beigebracht, dass die Auszubildenden lieber selbst die Aufgaben recherchieren, durchdenken und dann umsetzen sollten. So lernen sie viel mehr. Stimmt auch, geht aber in der Praxis natürlich nicht immer. Trotzdem weiß ich, was gemeint ist: Wenn ich erst mal selbst recherchieren muss, was eine Datenbank ist und wie ich sie pflege und dann mit meinem Ausbilder oder meiner Ausbilderin Rücksprache halte und Fragen stelle, lerne ich viel mehr, als wenn ich „nur“ gezeigt bekomme, welche Felder ich ausfüllen muss.

Generell geht es in der Pädagogik heute viel um Selbstfindung, was ich nicht schlecht finde. Wer gerade aus der Schule kommt – woher soll er oder sie denn wissen, was man gerne tut, gut kann und welche Eigenschaften man hat? Schließlich kommt man gerade aus einem strikten Umfeld, das wenig Platz zur Persönlichkeitsbildung lässt. Ich wusste jedenfalls nach dem Abi nicht, was ich wollte, was ich konnte – nur, was mich interessiert hat. Und jetzt mache ich was ganz Anderes. So spielt das Leben eben manchmal. Und wenn wir nicht immer zum Lernen offen sind, verpassen wir Chancen.

Man soll als Ausbilder Handlungskompetenz vermitteln.

Handlungskompetenz besteht aus:

  • Fachkompetenz (der Lerninhalt dessen, was ich als Beruf später ausüben soll, Fachwissen, Fertigkeiten und Kenntnisse, Arbeitsvorgänge und Hintergründe)
  • Methodenkompetenz
    • Arbeit zu planen
    • Probleme zu lösen, Techniken anzuwenden
    • weiterzudenken, als „nur“, das, was bisher gelernt wurde
    • anzuwenden und zu übertragen
  • Sozialkompetenz
    • in sozialen Situationen zu agieren
    • sich korrekt und passgenau zu verhalten
    • kritisch zu sein
    • dennoch respektvoll und kollegial aufzutreten
  • Selbstkompetenz /Persönlichkeitskompetenz          
    • Selbstreflexion
    • Motivation
    • Verantwortung
    • Umgang mit den eigenen Grenzen

Auch wenn wir aus der Ausbildung raus sind und mit beiden Beinen mehr oder weniger fest im Leben stehen, müssen wir versuchen, immer offen zu bleiben für Neues. Wir sollten unser Gehirn fit und agil halten, ständig lernen und neugierig sein. In unserer sich so schnell wandelnden Welt ist das so, so, so wichtig.

Wer seinen Horizont erweitert, verkleinert den Himmel.

Klaus Kinski

Sehnsuchtsort Horizont und der Drang nach mehr

Grafik: Ich habe NotebookLM, ein KI-Tool von Google, gefragt, wie der Horizont in der Philosophie wahrgenommen wird und wie die Berechnung der Distanz zum funktioniert. Natürlich gilt immer, dass man die Ergebnisse von KI genau überprüfen und nicht einfach für richtig hinnehmen sollte. Trotzdem ist das doch eine tolle Zusammenfassung darüber, wie Forschung und Philosophie ein abstraktes Ding wie den Horizont nutzen.

Nach dem Gespräch mit Jörg Bohn von der Jugendbildungsstätte Theodor Wuppermann e.V. auf Juist sehe ich anders auf den Horizont. Wo ich vorher „nur“ den Horizont bewundert habe, denke ich nun daran, wie wir uns selbst Limits und Grenzen setzen und wie vermeintlich einfach es ist, diese Grenzen einzureißen, wenn wir den richtigen Ort und die richtigen Menschen hierfür finden.

Manchmal ist es ein kleiner Ort wie Juist, der es uns erlaubt, dem Horizont besonders nah zu kommen. Weil wir zu uns selbst finden und weil wir zu uns selbst erlauben, unsere Grenzen auszuloten. Weil die Insel uns Grenzen setzt, innerhalb derer wir uns komplett auf uns selbst konzentrieren können, um die Grenzen, die wir uns selbst bewusst oder unbewusst setzen, zu verschieben.

Jedenfalls nehme ich mir vor, bewusster in den Horizont zu schauen und die Grenzen zu hinterfragen, die ich mir selbst gesetzt habe.

Das sind die Grenzen der Insel:

Jede Insel hat Grenzen und das ist gut so. Sie ist ein abgeschlossener Raum, klar definiert und sichtbar. Und doch sind es diese Grenzen, die wir überwinden können – zum Beispiel das Wattenmeer mit dem Schiff.

Mein besonderer Ort …

Juister Deich

Billriff

Bill Juist: Sandriff am Westende der Insel – ein einzigartiges Erlebnis.

Strand Juist

Kalfamer

Der Kalfamer Juist ist das Ostende der Insel.

Fotos: Lars Wehrmann

Material / Grafiken / Screenshots: Eigentum der Jugendbildungsstätte Theodor Wuppermann e.V.

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Julia Findeisen

Julia Findeisen lebt seit 2021 auf Juist. Sie schreibt über ihre absolute Leidenschaft: Genussmomente und Glücksorte. Juist ist für sie zur Heimat geworden.

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