Fließend.

Voll im Flow.

Alles fließt.

Flow bedeutet auf Deutsch so viel wie fließen und umschreibt den Zustand einer vollkommenen Konzentration. Im diesem Zustand bist du so hoch konzentriert, dass du Raum und Zeit vollkommen vergisst. Du bist total im Moment und gehst voll und ganz in deiner Tätigkeit auf.

Zeit zu leben

So viel dazu. Aber lasst mich mal anders anfangen: Wer kennt diesen Moment nicht, wenn man die Zeit vollkommen vergisst, wenn man absolut in einer Tätigkeit aufgeht und eben diese Tätigkeit sich anfühlt, wie ein Teil von einem selbst?

Es ist dann so leicht und so selbstverständlich wie Atmen. Es fühlt sich an, als wären Hände und Finger und Kopf einfach dazu da, genau das zu tun, was man gerade tut. „So leicht wie Atmen“.

Ich spüre das manchmal auf der Arbeit, wenn ich einen Text schreibe und den Faden nicht verliere, wenn die Worte nur so aufs sprichwörtliche Papier fließen („auf die sprichwörtliche Word-Dokument-Seite“ klingt halt nicht so geil, auch wenn es ehrlicher wäre), wenn ich wirklich etwas Wertvolles tue, auf das ich stolz bin. 

Ich spüre das aber auch im Privaten, wenn ich einfach vor mich hinlaufe, wenn ich merke, dass ich plötzlich viel weitergelaufen bin, als beabsichtigt, wenn ich ganz neue Höhen in meinem Fitness-Training erreicht habe, wenn ich einen neuen Rekord im Putzen meiner Wohnung aufgestellt habe.



Die Theorie.

Dieses vage, aber zugleich doch total konkrete Gefühl von „im Flow sein“ kennen sicher einige. Im Ursprung ist der Flow ein Konzept von Mihaly Csikszentmihalyi, das sich mit einem Geisteszustand zwischen Wach und Schlafend beschäftigt, mit einem Zustand, der von drei zentralen Punkten geprägt wird: 

  1. Motivation
  2. Anstrengung
  3. Konzentration

Diese drei Aspekte sind im vollkommenen Gleichgewicht, im Equilibrium. Denn: Wenn wir uns zu wenig anstrengen, ist es kein Flow. Wenn uns das Ergebnis zu egal ist, ist es kein Flow. Wenn wir nicht konzentriert sind, ist es kein Flow. 

Aber es geht noch weiter – Beim Flow sind wir vollends auf diese eine Tätigkeit konzentriert, auch wenn sie noch so klein und unwichtig für andere erscheinen mag. Handlung und Bewusstsein verschmelzen: Irgendwie ist uns klar, dass wir etwas tun, aber da ist mehr als „nur“ das Wissen, was wir tun. Wir vergessen uns selbst dabei. Wir fühlen die Kontrolle über das, was wir tun. Was auch immer wir tun, ist wichtig und lohnend für uns. Wir vergessen die Zeit. Wir verlieren uns selbst.

Kurzum: 

flow ist der Zustand, in dem man sein Bestes gibt und sich bestens fühlt. In dieser sehr einfachen Definition ist flow der Zustand, in dem man hohe Leistung erbringt und sich gleichzeitig wohl fühlt.

NOWtation

Die Praxis.

Im alltäglichen Denglisch, das ich auch mit großer Vorliebe spreche, ist „im Flow“ eher so gemeint, dass einem etwas gut von der Hand geht. Man ist begeistert und angekommen, happy und erfüllt. Flow ist übrigens auch ein super beliebter Name für verschiedenste Zeitungen, Reiseveranstalter, Marketingfirmen und so weiter und so fort. 

Verständlich: „Flow“ klingt so positiv. Für mich klingt das nach Sonnenblumen und Sommertagen, nach Lächeln und Entspannung. Aber auch nach Yoga und Entspannung und ein bisschen nach Spiritualität. Was in meinem Fall nicht wirklich mein liebstes Thema ist, wie meine Bekannten und Freunde und Verwandten wissen. 

Aber wenn Juist mich bisher eines gelernt hat, dann auf mein Bauchgefühl zu hören. Hier setze ich mich mit solchen Themen tatsächlich auseinander.

Flow für mich ist dieser kribbelige Moment jenseits von Zeit und Raum, der sich fast anfühlt wie ein Déjà-Vu, als wäre ich nicht ganz in meinem Körper, aber auch nicht entrückt. Flow für mich ist dieses warme Wohlfühlen, das ich habe, wenn ich fertig und aufgedreht zugleich bin, etwas entrückt, aber noch normal und durchschnittlich, das Highlight an einem Tag voller nicht ganz so heller Highlights. Flow ist für mich, wenn jeder einzelne Schritt eine Bedeutung hat und Kraft erfordert, aber zugleich ein Nichts ist, ein kleines Rädchen im großen Ganzen, ein fundamentaler Bestandteil. Flow ist für mich also eine ziemlich wilde Mischung aus allem Möglichen, die sich oftmals wiederspricht und genauso oft einander ergänzt.

Für mich ist Flow ein flüchtiger Moment des Friedens, in dem alles passt, alles Sinn macht und die Welt einfach wunderschön ist. Dieser Flow macht vieles gut, das sonst nicht gut ist. Er transformiert, dieser Flow. Und doch ist er so leicht und so tief in uns verwurzelt und so einfach wie Atmen. Es ist so wichtig im Flow zu sein, immer mal wieder, wie zu atmen.

Flow ist aber etwas, das zusammengehört, das in Bewegung ist, das Sinn macht, das einfach so sein muss. Wie Atmen. Wir Menschen atmen immer. Unser Körper braucht Luft, wir atmen ein. Unser Körper verarbeitet den inhalierten Sauerstoff. Kurz gibt es eine Atempause. Unser Körper stößt die restliche Luft wieder aus. Wir atmen aus.

Atmen ist vollkommen natürlich für uns. Es erfüllt einen Zweck. Wir denken kaum darüber nach. Eigentlich gar nicht, bis etwas diesen Flow des Atmens unterbricht, bis wir aus diesem Vorgehen gezogen werden. Weil wir eine Erkältung haben und die Nase zu ist. Weil wir allergisch sind und der Körper mit diesen Stoffen nicht klarkommt. Weil wir aus dem Tritt gekommen sind. Weil wir zu viel darüber nachdenken.

Und da sind wir wieder beim Flow: Was auch immer wir tun, ist selbstverständlich. Wie Atmen. Bis etwas passiert und wir aus diesem Flow gerissen werden.

Vor meinem inneren Auge sehe ich Formen und wilde Muster, etwas, das die Natur zeichnet, das aber total perfekt ist. Etwas, das beruhigt und spannend ist zugleich. Ein Anblick, der einen wie hypnotisiert und fesselt. Ich sehe die endlosen Wellen vor mir, die auf dem Juister Strand brechen, das Wasser, das sich zu mir hinbewegt, meine Zehen benetzt und sich dann zurückzieht, nur um direkt mit der nächsten Welle wieder näherzukommen, meine Zehen zu bedecken und dann wieder zurück zum Meer gezogen zu werden. Ich sehe die Rippel vor mir, die entstehen, wenn Niedrigwasser herrscht und das Wasser seine Stromlinien und seine Wellenformen zurückgelassen hat. Ich spüre, wie die sich unter meinen Füßen anfühlen. Ich sehe die Formen im Sand, die der Wind hinterlässt, kleine Hügelchen und kleine Täler. Das ist Flow. Irgendwie. Es ist zumindest das, was ich mit als Flow vorstelle und was mich innehalten und was mich die Zeit vergessen lässt. 



Kein Stillstand.

Flow (englisch für fließen, rinnen, strömen) bezeichnet das als beglückend erlebte Gefühl eines mentalen Zustandes völliger Vertiefung (Konzentration) und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit (Absorption), die wie von selbst vor sich geht – auf Deutsch in etwa Schaffens- bzw. Tätigkeitsrausch oder auch Funktionslust.

Wikipedia

Und warum schreibe ich das hier alles auf? 

Na ja, ganz einfach eigentlich: Ich schreibe das, weil ich fest daran glaube, dass der Flow mit dafür verantwortlich ist, dass sich etwas gut anfühlt. Wir finden den Flow in den unterschiedlichsten Momenten und Umgebungen. Ich kann auf der Arbeit im Flow sein, beim Spazieren, beim Lesen, beim Sport … Überall eigentlich.

Und ich finde diesen Flow eigentlich nur, wenn ich an einem Ort bin, an dem mein Gehirn zur Pause kommt. Nicht, dass ich immer so kluge Gedanken habe. Nein, mein Kopf ist wundersamerweise viel mit Horror-Szenarien beschäftigt, die eh nie zum Tragen kommen. Trotzdem kann ich das nicht abschalten. Bei den Dingen, die ich tue, schwingt immer ein bewusster Gedanke mit. Und, wenn man im Flow sein will, müssen die Gedanken schweigen, um ganz im Moment zu sein. 

Und das ist gar nicht so einfach. 

Ich war letztens bei einem Vortrag, bei dem es um Achtsamkeit ging. Nicht gerade mein Lieblingsthema, wenn ich ehrlich bin, aber ich bin ja auch offen für Neues. Ich habe also versucht, mit offenem Herzen da rein zu gehen, mir das anzuhören und ohne Vorurteile mitzumachen. Ist mir nicht gelungen. Leider. Ist mir alles zu spirituell, wenn ich ehrlich bin. 

Aber mit der Flow-Theorie, damit kann ich was anfangen. Das kann ich spüren und nachvollziehen und alles. Mehr jedenfalls, als auf meinen Bauchnabel zu drücken, besonders zu atmen und mein Kraftzentrum zu spüren. Sorry, aber ist so. Jedenfalls kann ich den Flow spüren. Ehrlich. Ich spüre den Flow, wenn ich am Strand spazieren gehe: Wenn ich immer schneller und weiter gehe, wenn ich mich gegen immer mehr Wind behaupte, wenn ich ganz im Moment angekommen bin, wenn es mir nicht nur um den Zeitvertreib geht, sondern darum, etwas zu erreichen.

Und das ist etwas, das ich heilsam finde. Nicht zurückschauen, nicht nach vorne blicken, sondern im Moment das erreichen, was ich erreichen will. 

Ich finde dieses Ziel, einen Flow zu erreichen, aus ganz verschiedenen Gründen super. 

Ich bin niemand, der übermäßig wettbewerbsaffin ist. Wenn ich in etwas nicht gut bin oder nicht mit relativ viel Aufwand gewinnen kann, hab ich schon früh keine Lust mehr. Aber beim Flow kann man nicht gewinnen. Vorteil für mich also. 

Gleichzeitig will ich etwas erreichen. Ich will auch in meiner Freizeit das Gefühl haben, etwas getan zu haben (wenn ich nicht gerade den ganzen Tag faul im Bett verbringe). Beim Flow geht es darum, etwas zu wollen. 

Ich konkurriere nur mit mir selbst.

Es geht darum, ins Gleichgewicht zu kommen. Es geht nicht darum, einen Status zu erreichen, den ich mir nicht vorstellen kann, weil … spirituell oder zu abstrakt. Es geht darum, einen Zustand zu spüren, den wir alle sicher schon mal erlebt haben.

Vielleicht sollten wir uns alle mehr nach dem Flow sehnen und ihn sehen, wie das Atmen: Als etwas, das tief in uns immer da ist. Es ist vielleicht keine Sondererscheinung, dieser Flow, sondern ein Zustand, der unterbewusst in uns schlummert und nur so darauf wartet, uns dieses wohlige Kribbeln und dieses Gefühl des „Ich hab’s geschafft!“ zu bieten.  

Und, neben ein paar schönen Bildchen, die den Flow für mich verkörpern, wünsche ich euch mehr Flow im Leben und hoffe, dass ihr diesen seltsamen Moment mindestens genauso oft spürt, wie ihr euch das wünscht!


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Julia Findeisen

Julia Findeisen lebt seit 2021 auf Juist. Sie schreibt über ihre absolute Leidenschaft: Genussmomente und Glücksorte. Juist ist für sie zur Heimat geworden.

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