Einatmen. Ausatmen. Durchatmen. Einatmen. Ausatmen. Durchatmen.
Seeluft atmen.
Spüre die Luft in deinen Lungen. Spüre die heilenden Aerosole.
Saubere Luft. Gesunde Luft. Ein Plus für deine Gesundheit. Ein Plus für deine Zufriedenheit.
- Ein.
- Aus.
- Ein.
- Aus.
- Ein.
- Aus.
- Ein.
- Aus.
Wie kommt es denn eigentlich, dass Juist so saubere Luft hat? Wie kommt es, dass Juist ein Seebad ist?
Ein Wort als Antwort: Janus. Genauer gesagt: Pastor Janus. Wenn du dich auf Juist auskennst oder dich für die Insel interessierst, kennst du seinen Namen bestimmt. Zum Beispiel wegen dem Janusplatz mitten im Ort.
Heute möchte ich dir gerne von Pastor Janus erzählen, der quasi DER Mann des Seebads Juist sein.
Gesundatmen: Das Leben des Pastor Janus.
Man sagte wohl: „Gott hat den Strand wiedermal gesegnet“.
Um ihn geht es also: Um Pastor Janus. Geboren wurde er am 09.01.1714 als Gerhard Otto Christoph Janus in Blersum, Ostfriesland (heute: Ortsteil Wittmunds). Sein Vater war Pfarrer und auch Janus selbst studierte von 1766 bis 1768 Theologie in Halle. Danach war er wohl im Schuldienst in Jever angestellt.
Am 03.03.1772 begann er dann seinen Dienst auf Juist als Pastor. dieser Zeit kümmerte er sich laut der Kirchenchronik um die Kranken auf der Insel, genauer gesagt um 93 Kinder, die unter einer Art von Husten litten.
Als die alte Schule nicht länger benutzt werden konnte, war Pastor Janus im Austausch mit der Landdrostei Aurich, um genau das zu ermöglichen. Aber es gab zu wenig Platz und zu wenig Geld. Vom Festland kam den Juistern zu wenig Unterstützung. Als ein Schiff kenterte, halfen die Juister bei der Bergung und finanzierten so den Neubau einer Schule – passenderweise direkt neben dem heutigen Janusplatz, im Dorfgemeinschaftshaus Alte Schule.
Man sagte wohl: „Gott hat den Strand wiedermal gesegnet“
An Weihnachten 1779 weihte Pastor Janus die fünfte evangelische Inselkirche ein, die durch eine Spendensammlung unter den Bürgern ermöglicht wurde. Übrigens: Die Kanzel in der heutigen Inselkirche ist noch immer die gleiche, von der auch Pastor Janus Ende des 18. Jahrhunderts predigte. Was er aber predigte, das weiß man leider nicht mehr, denn es gibt keine Aufzeichnungen über die Predigten des Pastor Janus auf Juist.
Jedenfalls traf Pastor Janus auf Juist seine Frau, Elisabeth Oltmanns aus Esens. Die beiden heirateten am 27.09.1781 auf der Insel. Gemeinsam hatten sie vier Kinder.
Bis 1789 war er dann hier auf dem Töwerland tätig. Dann ging er zurück aufs Festland und starb am 14.04.1805 in Asel, Ostfriesland (heute: Landkreis Wittmund, ca. 7 km entfernt von Jever).
Mehr zum Leben und Wirken des Pastor Janus sowie interessante Fakten und Anekdoten zum Leben auf Juist findest du im Inselmuseum im Loog:




Durchatmen: Das Wirken des Pastor Janus auf Juist.
„Und Pastor Janus? Der bekam zwar sein Seebad Juist nicht mehr mit, aber für seinen ersten Einwurf ist er noch heute als „Vater der deutschen Seebäderkultur“ bekannt.“
Oben hatte ich ja schon geschrieben, dass Pastor Janus die Kranken auf Juist pflegte, unter anderem die 93 an Husten erkrankten Kinder. Vielleicht kam ihm da die Idee, dass das Meerwasser heilsam sein könnte. Dass die Juister, die alleine von Fischfang lebten in dieser Zeit, davon profitieren würden, war bestimmt ein mehr als netter Zusatz-Pluspunkt bei seiner Idee.
1783 schrieb Pastor Janus auf Juist dann den bekannten Brief an seinen Landesherren, den König von Preußen – Friedrich II., auch genannt „der alte Fritz“ oder auch bekannt als „Friedrich der Große“. In diesem Brief empfahl Pastor Janus das Seebaden nach englischem Vorbild (mehr dazu weiter unten). Nach einiger Zeit wurde dieser Vorschlag aber vom Medizinalkollegium in Aurich abgelehnt. Dieser Brief ist damit das älteste Dokument der deutschen Seebädergeschichte und wird auch als „Janus-Brief“ bezeichnet.
Der Brief selbst war zeitweise auf Juist im Rahmen einer Ausstellung zu sehen. Hans Kolde übersetzte den Brief ins Hochdeutsche und kopierte ihn. Das Original des Janus-Briefs findet sich heute im Staatsarchiv.
Der geschichtsträchtige Janusbrief, das älteste Dokument der deutschen Seebädergeschichte:
Hier ein Auszug aus dem Janusbrief (leicht angepasst und nicht in ihrer ursprünglichsten Form):
Allerdurchlauchtigster, großmächtiger König – allergnädigster König und Herr!
Die landesväterliche Sorgfalt, die Euer Königliche Majestät für die Erhaltung der Gesundheit der Untertanen und für die Aufnahme des Landes selbst allergnädigst bewiesen, bewegt mich, hierdurch alleruntertänigst bekannt zu machen, was ich durch eigene Erfahrung als Beobachtung an anderen, von dem großen Nutzen einer Überfahrt zu einer Insel und dem Gebrauch des Bades von Seewasser in der bequemsten Jahreszeit wahrgenommen habe.
Es ist bekannt, dass die See immer mit den feinsten Teilchen angefüllt ist, welche den menschlichen Körper so wohl durchs Einhauchen als auch von außen durchdringen, und durch die revolvierende Kraft das Unreine aus demselben wegschaffen können. Ist daher der Magen verdorben und mit überflüssigem Schleim angefüllt und sind andere Hindernisse vorhanden, welche der Verdauung hinderlich sind, so befördert die Seeluft, vermittelst der Überfahrt ein Erbrechen, oder resolviert die stockenden Säfte, dass die Zirkulation hergestellt wird und ein guter Appetit folgt. Hiervon bin ich sowohl durch Erfahrung an mir selbst, als auch an anderen häufig belehrt worden.
Was ferner das Baden in Seewasser anbetrifft, so lehrt die Erfahrung, dass es bei vielen Zufällen vortreffliche Dinge tut. In rheumatischen Schmerzen ist das Seewasser – und war an der Südseite der Insel auf dem Hef (?) bei Ebbe – ein unvergleichliches Mittel, selbige zu stellen und gänzlich zu vertrieben. Selbst bei der eigentlichen Gicht erweist sich ein solches Bad als vorzügliche Hilfe. Davon ein gewisser angesehener Mann in Norden, welcher vor drei Jahren mit dieser Maladie im Arm geplagt war, und sich auf Anraten ddh. Dook (?) hier badete, den erwünschten Erfolg gesehen hat. Die bloße Hin- und Herfahrt kann, wie die Erfahrung oft gelehrt, einen skorbutischen Patienten auf einmal durch einen Ausschlag befreien.
Da nun auf diese Weise in der Nähe und mit weit geringeren Unkosten zu erlangen, was man durch große Mühen und Ausgaben durch den Gebrauch des Aakner Bades und Pyrmonter Brunnens zu erreichen sucht: So hoffe ich, dass mein Vorschlag zu einer näheren Untersuchung wird gewürdigt und allgemein bekannt gemacht.
Die Insel Juist ist zum Aufenthalt solcher Patienten sehr bequem, nur müssten selbige wohl bedenken, dass die Monate Juni, Juli und August die einzigen sind, da eine Reise hierher mit Nutzen vorgenommen werden kann und vom 07. Juli an gerechnet, der Fährmann allzeit nur sicher in Norden antreffen kann.
Ich ersterbe in tiefster Ehrfurcht, Juist, der 01. Juli 1783.
Eurer Königlichen Majestät alleruntertänigster Knecht – Gerhard Otto Christoph Janus
Der Janusbrief – zusammengefasst und etwas informeller ausgedrückt:
Moin König Friedrich,
Sie sind ja sehr interessiert an der Gesundheit Ihrer Untertanen – Deswegen möchte ich mich gerne melden und Ihnen davon berichten, dass die Überfahrt zur Insel und das Baden im Meerwasser großen Nutzen für die Gesundheit der Menschen hat.
Man weiß ja, dass die Seeluft Aerosole enthält, die den Körper durchdringen und reinigen. Ist also der Magen verdorben oder wird die Verdauung anders behindert, so sorgt die Seeluft auf der Überfahrt für Erbrechen. Dann ist die Verdauung wieder intakt und der Appetit wiederhergestellt. Das weiß ich von mir und vielen anderen Menschen.
Aber auch das Bad im Nordseewasser fördert die Gesundheit. Rheumatische Schmerzen werden durch das Seebad gelindert und auch bei Gicht kann das Seebad helfen. Beweis hierfür ist ein angesehener Mann aus Norden, dessen Gicht durch das Nordseewasser gelindert wurde.
Ich bitte um eine nähere Untersuchung: Die Nähe der Insel wurde die weite und teure Reise nach Aachen (?) oder zum Pyrmonter Brunnen für viele Menschen überflüssig machen.
Juist selbst ist für Patienten sehr geeignet, allerdings nur in den Monaten Juni, Juli und August.
Vielen Dank! Juist, 01.07.1783
Gerhard Otto Christoph Janus
Und Pastor Janus? Pastor Janus erlebte Juist als Seebad wohl nicht mehr mit, aber für seinen ersten Einwurf ist er noch heute als „Vater der deutschen Seebäderkultur“ bekannt.
Danke, Pastor Janus: Das Seebad Juist
Leider nein: Das erste Seebad auf deutschem Boden entstand tatsächlich auf Norderney. Und das war 1797. Happy End folgt, denn: Juist wurde 1840 zum offiziellen Seebad.
Noch heute, Hunderte Jahren nach Pastor Janus, lebt Juist mit dem Gedanken des Seebades.
Heute nennen wir es eher Thalasso, aber noch immer kommt die gesundende Kraft vom und aus dem Meer.
Und wie geht das?
Na ja: Beim Aufschlagen an den Strand setzen die Wellen Aerosole frei. Das sind winzige Schwebeteilchen in der Luft. Diese Aerosole nimmst du beim Spaziergang direkt an der Wasserkante beim Atmen ganz automatisch auf. Aber auch wenn du einfach nur auf Juist bist, atmest du dich quasi gesund.
Gleichzeitig haben wir auf Juist ein Reizklima, also Wetterbedingungen, die mit viel Wind, Kälte und viel Sonne für den Körper anstrengend sind. So muss dein Körper mehr und härter arbeiten. So entsteht ein Reiz, der deinen Körper stärkt und fordert. Du wirst du gesünder, aber oftmals auch hungriger und müder.
Dazu kommt: Hier bist du viel zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Du bist viel draußen und der Sonne ausgesetzt. Und: Der Blick aufs Meer, auf Blau beruhigt.
Auf Juist sein ist also sehr gesund, auch nach heutigen Maßstäben.
Das perfekte Atmen: Die Geschichte der Seebäder
Der Anfang vom Anfang: Seebäder in Großbritannien.
Seebädergeschichte
„Brighton“: Hast du schon ein Bild im Kopf?
Brighton an der englischen Nordseeküste ist das erste Seebad der Welt. Schon 1750 machte der Arzt Dr. Richard Russell das Seebaden zu einer Therapie. Die privilegierten Oberschichten kamen nach Brighton zur ärztlich verordneten Therapie für verschiedene Gebrechen. Und wie kann man sich das vorstellen? Na ja: Die Patientengingen nackt ins eiskalte Wasser oder ließen sich, vor den Blicken geschützt, durch Luken mit Pferde-Badekarren ins Meer gleiten. Oftmals eher widerwillig zu Beginn des Seebäderwesens.
Und: Dr. Russell empfahl es auch, das Meerwasser zu trinken. Na ja, das ist zum Glück heute nicht mehr so.
Aber über die Jahre veränderte sich etwas: 1841 wurde das Seebad in Brighton zum Massenphänomen, denn eine Eisenbahnlinie verband Brighton mit London. Noch etwas später kam dann final der Massentourismus auf, denn Thomas Cook veranstaltete als erster organisierte Fahrten. Und spätestens dann wurden auch mehr und mehr Orte wie Eastbounde, Worthing und Herne Bay an der Nordseeküste in Großbritannien zu Seebädern.
Fun Fact: Schon 1860 zählte Brighton als erstes Seebad bereits 250.000 Touristen pro Jahr. Richtig irre!
Frühe Seebäder in Deutschland
Damit aber nicht genug: Das Seebäderwesen in Großbritannien funktionierte und zog interessierten Menschen an.
Pastor Janus‘ Gedanke, wirtschaftlichen Aufschwung nach Juist zu bringen, war löblich. In dieser Zeit lebten die Juister Familien primär vom Fischfang und das Potential der Insel groß. Aber: In dem, was einmal Deutschland werden sollte, wurde das Meer nicht positiv gesehen, wie in Großbritannien.
Große Teile der Bevölkerung fürchteten sich vor dem Meer. Der Gedanke, dass das Meer heilend sein könnte, lag ihnen fern. Das Meer wurde aus furchteinflößend gesehen, war da doch die Geschichte des Propheten Jona, der von einem Wal verschluckt wurde, und da waren auch viele Mythen und Sagen über Meeresungeheuer. Kein Wunder in dieser Zeit, dass die Menschen sich nicht vorstellen konnten, im Meer zu baden und damit zu gesunden.
Als sich der Gedanke zementierte – bei Juistern, dass sie profitieren würden, bei Gästen, dass das Meer nicht gefährlich war, bei den Offiziellen, dass ein Seebad eine gute Idee wäre –, war die Freude erstmals groß. Juist als erstes Seebad auf deutschsprachigem Boden? Leider nein: Das erste Seebad auf deutschem Boden entstand tatsächlich auf Norderney. Und das war 1797.
Happy End folgt, denn: Juist wurde 1840 zum offiziellen Seebad.
Seitdem profitieren wir von den heilenden Kräften der Nordsee.
Seebäder heute: Thalasso und Heilklima – Dank Pastor Janus?
Auf Juist sind immer noch zahlreiche Zeichen dafür zu finden, dass Juist eine lange und ehrwürdige Geschichte als Seebad hat. Und das ist schließlich Pastor Janus zu verdanken.
Diese spuren von Pastor Janus findest du noch heute auf Juist:
- Da wäre das Alte Warmbad, in dem früher die Bädergeschichte allgegenwärtig war.
- Da ist das TöwerVital, indem du heute immer noch tolle und hochwertige Behandlungen für deine Gesundheit buchen kannst – immer im Gedanken an Pastor Janus, der schon früh die heilsame Wirkung des Klimas und der Nordsee verstand.
- Da ist das Inselmuseum, das dir die Geschichte Juists als Seebad darstellt.
Heute sehen die Bäderkuren anders aus, als das früher der Fall war. Mehr wissenschaftlich und eher mit verschiedenen Behandlungen versehen, statt „nur“ mit dem Baden. Wobei das Baden in der Nordsee – vor allem, wenn es kalt ist – ja auch gesundheitlich tolle Auswirkungen haben kann. Auf- und abtauchen tut Körper und Seele gut!


Wandele auf den Spuren des Pastor Janus auf Juist:
Noch mehr erfahren über Seebäder, Pastor Janus und Atmung?
Hier sind die Quellen, über die ich mich informiert habe (unter anderem):
https://www.juist.de/auf-der-insel/die-insel-juist
https://www.juist.de/gesundheit/thalasso-heilklima
https://juistnews.de/artikel/2014/1/8/auch-karten-vom-ostseebad-juist-sind-im-warmbad-zu-sehen
https://inselmuseum-juist.de/chronik

