Maritimer Aberglaube.
Geschichten, Aberglaube, Legenden und Gewohnheiten.
Von Geschichten, die das Unerklärliche erklärbar mach(t)en
Freundschaft fürs Leben.
Dieser Artikel ist die Online-Version eines Beitrags, der ursprünglich im gedruckten Katalog / Urlaubsmagazin „Freundschaft fürs Leben“ Nr. 5 mit dem Oberthema Gezeiten im Herbst 2026 erschienen ist. Das gedruckte Magazin erhältst du kostenfrei in unseren Tourist-Informationen. Dauerhaft kostenfrei findest du alle Artikel hier im Online-Magazin Seezeichen. Informationen in diesem Artikel können veraltet sein. Wir übernehmen keine Gewähr für die hier gemachten Informationen.
Aus alter Überlieferung entstanden oder einfach als Vermutung weitergetragen, sind diese Gedanken noch heute Teil unseres Lebens. Kennst du diese Gedanken zum Meer?
MAN SAGTE:
Der Nebel sei ein Mittel des Teufels, um die Menschen in die Irre zuführen. So muss es früher auch gewirkt haben, damals, als die Welt noch viel dunkler war und man sich nicht auf GPS und Navigationssysteme verlassen konnte. So verlor man sich im Nebel an der Küste, auch wenn man sich noch so gut auskannte. Besonders akut war es, wenn im dichten Nebel die Irrlichter aufblitzten. Sie sahen aus wie das Licht von Häusern und sorgten dafür, dass die Menschen nichtsahnend ins Wattenmeer liefen, nicht aber nach Hause. Der Nebel ist auch heute noch mysteriös, aber wir wissen, wie er entsteht: Nicht durch den Teufel. Heute kennen wir seine meteorologische Erklärung. Seine besondere Stimmung hat der Nebel trotzdem nicht verloren.


MAN SAGTE:
Frauen auf Schiffen brachten Unglück. Das muss wohl einer der Gründe gewesen sein, warum Seefahrer und Fischer immer Männer waren. Einzige Ausnahme zu dieser These: Wenn die Frau nackt war, beruhigte sie die Stürme. Und das ist wohl der Ursprung der Tradition mit den Galionsfiguren, die nackte Frauen darstellen. Solche Vorstellungen erzählen heute vor allem etwas über die Rollenbilder ihrer Zeit, nicht aber etwas über Frauen und schon gar nicht über ihre Fähigkeiten auf See.
MAN SAGTE:
Der Hammersee sei durch den Zwist zweier Hexen entstanden. Heute weiß man natürlich, dass es eine heftige Sturmflut war, die Juist in zwei Teile brach und dass erst Deichaufschüttungen und Dünenaufbau den Hammersee schufen und Juist wieder zu einer ,,ganzen“ Insel machten.
MAN SAGTE:
Inseln kommen und gehen, die Natur holt sich zurück, was ihr gehört. Bevor es die sieben ostfriesischen Inseln gab, kennzeichneten die heute untergegangenen Inseln Buise, Bantund Burchana die Landschaft. Fluten und Stürme verändern seit Jahrhunderten die Formen der Inseln und der Küste. Sie zerstören mitunter Landschaften, lassen aber auch neue an anderen Orten entstehen.



MAN SAGTE:
Bei Springflut schläft man besonders unruhig. Eine Springflut entsteht, wenn Vollmond oder Neumond herrschen. Und einige Menschen berichten ja auch davon, dass sie bei Vollmond schlecht schlafen. Haben also die Gezeiten und die Mondzyklen einen Einfluss auf unser Empfinden? Wissenschaftliche Studien verneinen dies ,aber das Gefühl mancher Menschen ist da anderer Meinung.
MAN SAGTE:
Wenn bei der Taufe eines Schiffes die Flasche nicht zerbrach, brachte das Unglück. Die Schiffstaufe ist eine sehr reglementierte Sache. Eine Frau musste das Schiff taufen und die Flasche, die hierfür genutzt wurde, musste zerbrechen. Sonst brachte das Unglück. Hoffentlich ist dies nicht der Fall!
MAN SAGTE:
Bei Ebbe wird gestorben, bei Flut geboren. Ob das stimmt? Fragwürdig, aber ein gewisser Einfluss der Gezeiten und der Mondphasen auf unser Leben wurde ja schon immer vermutet, von Raunächte-Traditionen bis hin zu Aberglauben über Hexen. Von daher – wer weiß?



MAN SAGTE:
Die sieben Ostfriesischen Inseln entstanden, als ein Mann, der sieben Töchter hatte, jeder Tochter ein besonderes Talent mitgab. Hätten die Töchter zusammengearbeitet, hätten sie einen furchterregenden Drachen besiegt, der das Land in Angst und Schrecken versetzte. Aber sie arbeiteten nicht zusammen und versagten. So floh eine jede Tochter auf eine der sieben Inseln. Welches besondere Talent die Tochter wohl hatte, die am Ende nach Juist floh? Vielleicht Geduld. Auf einer Insel, auf der Wind und Gezeiten den Takt angeben, wäre das jedenfalls keine schlechte Gabe.
MAN SAGT:
Stürme und Fluten seien die Strafe Gottes, wenn Menschen nicht fromm genug oder gar heidnisch waren. Heute können wir Sturmfluten meteorologisch und hydrologisch erklären. Für Menschen früherer Jahrhunderte waren solche Naturgewalten dagegen oft kaum begreifbar und religiöse Deutungen gaben dem Unerklärlichen einen Sinn. Hier auf Juist zeigt die Geschichte, wie stark solche Ereignisse das Leben der Menschen tatsächlich verändert haben.
Heute wissen wir mehr über Wetter, Gezeiten und Navigation, als die Menschen früherer Jahrhunderte. Aber etwas ist geblieben: Das Meer lässt sich nicht vollständig beherrschen. Vielleicht faszinieren uns diese alten Geschichten deshalb noch immer.

