Magisches Winterwunderland Juist.
erschienen: Montag, 12.01.2026
Winter auf Juist.
Die Nordsee ist jetzt ja nicht gerade im Winter bekannt für ihre Schneemassen. Nein, die Nordsee im Winter ist viele eher bekannt für ihr graues, stürmisches, matschiges Wetter, das nicht gerade zum Draußensein einlädt. Stattdessen ist man viel drinnen, trinkt warmen Tee und sitzt am Kamin, erzählt sich Geschichten und genießt die Gemeinsamzeit. Draußen pfeift der Wind und dringt durch Regenhose, Regenjacke und Thermo-Kleidung. Es ist hier windig-kalt und das kann schon mal ungemütlich sein. Aber: Dieser Wind macht den Kopf auch frei, er prustet den Wind frei.
Aber in diesem Januar hatten wir Glück. Zumindest war uns ein besonderer Anblick gewährt. Es schneite. Und zwar seit Samstag. Also Samstag, 03.01.2026. Mal mehr, mal weniger. Der meiste Schnee ist abgetaut, aber kaum eine Woche drauf kam der Wintereinbruch. Ich war happy: Schnee an der Nordsee, am Strand, auf den Bäumen, am Watt! Viel glücklicher hätte ich nicht sein können. Also rein in die neue Winterjacke, die es als Weihnachtsgeschenk von den besorgten Eltern zu einem unglaublich guten Timing gab, Mütze an, die neuen Winterschuhe an, und ab ins Dorf, an den Strand, auf die Promenade.
So ein toller Anblick, grauer Himmel, weißer Schnee, heller Sand spinkst hindurch an einigen Orten. So toll! Aber ein kurzes Vergnügen, dachte ich – Bald wird der Schnee wieder weg sein. Aber Fehlanzeige: Es schneite mehr oder minder mit Unterbrechungen eine Woche durch. Der Schnee taute nicht unbedingt weg.
„So einen Winter gab es locker seit 10 Jahren nicht mehr“, sagte ein Juister zu mir. „In meinen sechs Jahren hier habe ich so was noch nicht erlebt.“, behauptete jemand anderes. Ich kann’s nicht beurteilen, denn so lange bin ich noch nicht hier. Es sind jedenfalls ungewöhnliche Schneemassen für unsere Verhältnisse. In Süddeutschland mögen sie darüber lachen, aber so viel Schnee über so eine lange Zeit haben wir hier normalerweise nicht.
Sturmtief Elli.
Wie kam es eigentlich zu diesem ungewöhnlichen Wintereinbruch?
„Schuld“ ist Sturmtief Elli, wenn man das denn so sagen möchte. Elli entstand Anfang Januar über den Nordatlantik als Wintertief, das sich langsam in Richtung Mitteleuropa schob. Eigentlich so weit, so normal. Aber: Fast gleichzeitig gab es ein Hochdruckgebiet, sodass das Wintertief nicht abziehen konnte. Damit nicht genug: Elli wird immer weiter nach Süden gedrückt. Also trafen diese beiden kalten Luftmassen aufeinander und Schneefälle und stürmische Winde waren das Ergebnis. In mehr oder minder ganz Deutschland kam es zu Schneefall, Schneeverwehungen, Glatteisbildung und Verkehrsbehinderung. Verkehrsbehinderung? Ja, das hatten wir auch auf Juist. Mehr dazu später.
Durch den auffrischenden Ostwind vor allem am Freitag, 09.01., und am Samstag, 10.01., kam es zu stürmischen Böen. Ab dem heutigen Montag haben wir Glatteis auf den Straßen.
Sturmtief Gunda.
Damit nicht genug. Kaum hat sich Elli verzogen, kommt Gunda auf die Bühne und wird wohl ihr Unwesen am Montag, 12.01., und am Dienstag, 13.01.2026, treiben. Manche Publikationen titeln bereits seeeeeeeeeeehr objektv ( * räusper, räusper * )mit „Schlimmer als Elli“, „Chaos-Tief“, „Wetterchaos“ und dergleichen. Nicht missverstehen: Ich bin absolut pro Information und Warnung, was ich aber nicht so toll finde, ist, wenn Panik gesät wird. Das hilft uns allen nicht weiter.
Positiv: Gunda wird uns am heutigen Montag und am morgigen Dienstag wohl in Atem halten, ab Mittwoch sollte das ungewöhnlich winterliche Wetter beendet sein. Denkt man. Mal schauen, ob es so kommt oder doch anders. Die Wettervorhersagen werden zwar immer besser, aber vor allem lokale Ausreißer kann man nicht immer perfekt vorhersagen.



Winterdienst auf Juist
Manchmal stellen sich Fragen, über die man sich vorher noch nie Gedanken gemacht hat.
So auch bei ungewöhnlich viel Schnee. Natürlich hat die Inselgemeinde Juist einen Winterdienst, denn so selten ist Schnee hier auch wieder nicht.
Der Winterdienst auf Juist sieht so aus, dass mit Radladern, Treckern und anderen Maschinen die Angestellten beim Bauhof die öffentlichen Straßen von Schnee befreien und dann streuen. Für private Betriebsgelände wie zum Beispiel bei der Hafenlogistik ist dann der Betrieb selbst zuständig. Die Angestellten vom Bauhof kümmern sich auch um die Fußwege, diese werden dann mit der Schneefräse oder händisch mit der typischen Schaufel freigemacht.
An sich funktioniert das auch immer. Mit so viel Schnee wie aktuell hat aber auch keiner gerechnet, daher waren die Angestellten vom Bauhof wirklich im Dauereinsatz, auch nach Feierabend und am Wochenende. Zu manchen Zeiten hatten sie kaum einen Meter Fußweg freigemacht und drehten sich um, dann war da schon Schnee gefallen. Eine Sisyphos-Arbeit leider. Alle Straßen und Wege gleichzeitig freizuhalten, das kann die Inselgemeinde schlichtweg bei solchen Bedingungen nicht.
Ein riesiger Dank geht an alle Helfer, denn es waren nicht nur die schweren Maschinen der Inselgemeinde, die die Straßen geräumt haben, sondern auch Hafenlogistik, Reederei Frisia und einige andere haben zusammen gearbeitet. So war kein allzu riesiges Schneechaos auf der Insel. Es hätte weitaus schlimmer kommen können.
Ein riesiges Dankeschön an die Mitarbeiter (in diesem Fall wirklich nur Mitarbeiter, keine Mitarbeiterinnen) der Gewerke der Inselgemeinde und aller anderen Institutionen, die ihre Freizeit und ihr Wochenende geopfert haben, um die Insel möglichst gut durch diese Wetterlage zu bekommen. Ihr seid die Besten!
Wintereinbruch auf Juist.
07.
Jan
Mittwoch, 07.01.2026, 08:15 Uhr
Die Kollegin mit kleinen Kindern berichtet, dass sie ihre Kinder kaum in die Schule bzw. in den Kindergarten bekommen hat. Warum? Der Schnee türmt sich so hoch auf, dass die kleinen Kinderbeine kaum durchkommen.
07.
Jan
Mittwoch, 07.01.2026, 10:36 Uhr
Juist Net News berichtet: Die Reederei Frisia teilt mit, dass am Freitag weder Frachtschiff noch Inselfähre fahren werden.
07.
Jan
Mittwoch, 07.01.2026, 12:35 Uhr
Die Juister Inselschule macht dicht. Bewundernswert: Die Eltern werden schnell informiert. Die Lehrkräfte bringen die Schüler und Schülerinnen nach Hause, deren Heimat halbwegs auf dem Weg liegt, und die alt genug sind, alleine zuhause zu sein.
Später wird gemeldet, dass die Schule im Landkreis Aurich auch am Donnerstag und Freitag sowie am Montag geschlossen bleibt.
Der Kindergarten bleibt auf. Tage später treffe ich eine Bekannte, die im Kindergarten arbeitet. Der Landkreis kann die Schulen schließen, aber der Kindergarten bleibt auf. Warum, das habe ich nicht ganz verstanden, aber sie wollen die Option allen Eltern lassen, selbst zu entscheiden, die Kinder nicht in den Kindergarten zu bringen.
07.
Jan
Mittwoch, 07.01.2026, 13:48 Uhr
Heute Abend ab 19:00 Uhr wäre Trachtentanzen, wie eigentlich immer mittwochs. Nach und nach sagen die Leute ab. Aus dem Loog sei es kaum möglich, in den Ort zu kommen. Zu Fuß sei man schon gestürzt und wollte es nicht nochmal drauf ankommen lassen am gleichen Tag. Tanzen fällt aus.
07.
Jan
Mittwoch, 07.01.2026, 17:15 Uhr
Juist Net News berichtet: Im Landkreis Aurich (zu dem Juist gehört) fällt die Schule am Donnerstag und Freitag aus. Grund: Die Straßen im Kreisgebiet können nicht schnell genug geräumt werden, um einen sicheren Transport der Schüler und Schülerinnen zur Schule sicherzustellen. Kurios: Das gilt auf dem Festland. Auf Juist mag die Lage anders sein, aber auch die Juister Schule macht demnach nicht auf.
08.
Jan
Donnerstag, 08.01.2026, 10:54 Uhr
Juist Net News berichtet:
Auch die Reederei Töwerland-Express wird am Freitag zwischen Juist und Norddeich nicht verkehren können.
08.
Jan
Donnerstag, 08.01.2026, 11:18 Uhr
Das Nationalpark-Haus wird am Freitag geschlossen bleiben. Auch das Haus des Kurgastes wird am Freitag sowie am Wochenende geschlossen bleiben.
08.
Jan
Donnerstag, 08.01.2026, 15:37 Uhr
Juist Net News berichtet: Im Landkreis Aurich darf nicht mehr gejagt werden. Hintergrund: Das Wild findet aufgrund des Schnees keine Nahrung mehr.
08.
Jan
Donnerstag, 08.01.2026, 15:39 Uhr
Bürgermeister und Kurdirektor Dr. Tjark Goerges informiert die Juisterinnen und Juister, dass Gemeinde und Partnerbetriebe alles tun werden, um die Insel möglichst sicher und eisfrei zu halten, soweit möglich. Auch wird darum gebeten, Bürgersteige und Wege zu räumen und den Schnee nicht auf die Straße zu kippen. Warum? Damit die Rettungswege für Feuerwehr und Rettungsdienst möglichst gut freigehalten werden können.
09.
Jan
Freitag, 09.01.2026, 07:03 Uhr
Ich bin eigentlich ganz gut zur Arbeit gekommen. Die Gehwege sind nicht geräumt, macht aber auch keinen Sinn, weil es quasi durchgehend schneit. Der Wind ist ein kleines A****h, denn er dreht sich im Kreis, knallt auf Wände und Gegenstände und sorgt dafür, dass man immer überall Gegenwind hat und die Schneeverwehungen echt enorm sind. Aber zu Fuß geht es über die Wegwehe eigentlich ziemlich gut, durch den angehäuften Schnee ist es nicht besonders rutschig. Das Rathaus ist ziemlich leer noch. Verstehe ich. Im Ort kann man gut laufen und die Bedingungen sind abgeschwächt. Aber: Die Kollegen und Kolleginnen, die im Loog, in der Siedlung oder an der Billstraße wohnen, haben es schwerer.
09.
Jan
Freitag, 09.01.2026, 08:16 Uhr
Meine Kollegin, die „Chefin vom Bauhof“, wie sie es selbst formuliert hat, hat nur eine Antwort auf die Frage, ob sie gut hergekommen ist: „Nein“. Keine große Überraschung. Eiskalt und rutschig. Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Die Kollegen vom Bauhof werden Überstunden schieben, Freitagnachmittag und das gesamte Wochenende. Rufbereitschaft verdoppelt, alles an Material, das kann, muss raus. Und tatsächlich: Auf der ruhigen Insel höre ich aus meinem Bürofenster das Geräusch von Eiskratzern auf der Straße und von schweren Maschinen, die die Wege freihalten. Es zumindest versuchen.
In den Nachrichten hört man von Zugausfällen der Deutschen Bahn und dass Verbindungen in Norddeutschland ausfallen. Ich bin froh, dass ich auf meiner kleinen Insel bin und mich das nicht zu interessieren braucht.
09.
Jan
Freitag, 09.01.2026, 10:06 Uhr
Die Onlinewettervorhersagen lassen vermuten, dass Wind und Schneefall ab ca. 11:00 Uhr weniger werden. Da denke ich, „Huch, das sollte man doch auf Social Media mal zeigen“ – Eine gar nicht mal so kluge Idee, wie meine eiskalten Finger und Füße mir im Nachhinein zu verstehen geben.
Also gehe ich raus: Ich ziehe meine dicke Jacke an, Mütze, Kapuze drüber, Schal natürlich auch, Handschuhe dürfen auch nicht fehlen, an den Beinen die beste Thermo-Strumpfhose der Welt, meine Lieblingssocken und die neuen, schneedichten Schuhe. Eigentlich gut ausgerüstet. Ich laufe vom Rathaus in Richtung Bauhof, dann zum Hafen und an die Strandpromenade, auf die Aussichtsplattform Mitte und zurück in mein Büro.
Was ich gesehen habe? Eine ganze Menge!
Da waren die Leute, die selbst im Schneesturm versucht haben, die Wege vor ihren Häusern freizuhalten.
Da war der komplett zu geschneite Schiffchenteich, zu dem der Weg nur durch wadenhohen Schnee führte.
Da waren Lieferfahrer, die trotz dieser Bedingungen unterwegs waren.
Ich habe Schneeverwehungen gesehen, durch die man schlichtweg nicht durchkommt. Ich habe aufgetürmten Schnee gesehen, der höher war als ich. Ich habe durch den Schnee in der Luft gesehen, dass der Wind in Wirbeln dreht. Ich habe in ein Geschäft geschaut, dessen Boden einem See glich durch den ganzen getauten Schnee.
Ich schaue in Richtung Hafen von der Deichscharte aus. Dunkel, grau, diesig, Schnee wird durch den Wind umhergepeitscht. Wenig zu sehen, die Welt wirkt so klein. Ich schaue zur Seite in Richtung Loog, die Diekskant hinunter. Eine weiße Wand aus an den Seiten der Straße aufgetürmter Schnee, Schnee, der die Straße gedeckt, Schnee, der meine Sicht einschränkt.
Das ist schon irgendwie Ausnahmezustand.
Dann: Erstmal die kalten und vereisten Klamotten auf die Heizung: Mütze, Schal, Handschuhe. Socken auch, Heizung ganz hochgedreht, dann schnell die erste Riesentasse Tee gekocht, dank meiner Kollegin eine Wärmeflasche aus den eiskalten Füßen.
Kannste nichts machen. Kalt ist kalt. Da kann man sich nicht gegen anziehen. Alles an mir, was nicht unter der super tollen Weihnachtsgeschenk-Jacke steckte, war kalt, rot und wahrscheinlich ziemlich unzufrieden mit mir: Gesicht wie eingefroren vom Wind, Beine überraschend warm.
In meinem Büro in der dritten Etage sitzend, höre ich den Wind, der um die Ecken pfeift, ich höre, wie einige Schneeplatten vom Dach rutschen, ich höre die geschlossenen Fenster klappern im Wind.
09.
Jan
Freitag, 09.01.2026, 12:57 Uhr
Ab nach Hause. Aber schnell! Noch kurz auf dem Weg beim Einkaufsladen anhalten, Vogelfutter kaufen für die Piepmätze im Garten, die mit dieser Schneeschicht ja auch nichts zu essen finden.
Ich sehe eine Person auf einem Klapprad über die Straßen fahren. Ob der denn wahnsinnig ist? Wahrscheinlich schon, denn bei diesen Bedingungen mit einem Klapprad zu fahren, ist einigermaßen schwierig. Aber die Person scheint das hinzubekommen. Gut so. Ich für meinen Teil bin froh, zu Fuß unterwegs zu sein.
Ich schaue kurz aufs Handy und laufe in eine Schneewehe hinein. Ich hätte ja hingucken können. Ich sinke knietief ein. Und ich bin nicht gerade klein.
09.
Jan
Freitag, 09.01.2026, 13:56 Uhr
Alle Gewerke der Inselgemeinde haben ihren Notdienst verdoppelt, um den Schneemassen Herr zu werden. Was das heißt, erfahre ich am frühen Samstagmorgen, als ich eigentlich nur am Kamin gemütlich sitzen und Tee trinken wollte: Der Eingang vom Wasserwerk ist zugeschneit und vereist. Der Kollege kommt nicht rein, mein Mann zieht sich die Arbeitsklamotten an und hilft beim Enteisen der Eingangstür, die fast meterdick von Schnee verweht war. Gemein: Die unterste Lage Schnee war vereist und da musste die pure Gewalt freigeschaltet werden, um dieses zentimeterdicke Eis (danke an die Schneeverwehungen!) wegzuschlagen.
09.
Jan
Freitag, 09.01.2026, 14:32 Uhr
Kamin an, Füße so nah dran, wie es geht, ohne mir Verbrennungen zu holen, der x-te Tee des Tages in der Hand. Langsam werde ich warm. Ich ringe mit mir, ob ich nochmal raus soll. Eigentlich nicht. Es ist so kalt und so ungemütlich.
09.
Jan
Freitag, 09.01.2026, 15:28 Uhr
Ich gehe tatsächlich nochmal raus. Wollsocken an, Mütze auf den Kopf, Schal an, die wind- und regendichte Jacke an. Los geht’s. Im Ort geht’s: Straßen sind recht gut geräumt, die Fußwege recht gut ertragbar. Überall höre ich das Surren, Knirschen und die sonstigen Sounds der Trecker und Radlader, die die Straßen freimachen. Es zumindest probieren. Am Rand der Straßen ist der Schnee aufgehäuft, Schneemassen werden abtransportiert, dorthin, wo man ihn noch stapeln kann. Ich komme auf die tolle Idee, auf den Deich zu gehen. Super. Man sollte denken, ich hätte in meinen über vier Jahren hier mal gelernt, dass es auf dem Deich am Schlimmsten ist. Aber nein. Es pustet. Ganz ordentlich. Ich bin wirklich kein Federgewicht, aber ich bin froh, im Windschatten meines Mannes zu laufen und mich mitunter bei ihm festzuhalten, um nicht vom Deich zu kullern.
Das Wattenmeer sieht seltsam aus, einige der nicht überfluteten Flächen sind mit Schnee bedeckt und der Boden ist festgefroren, sagt mein Mann, der das natürlich erstmal ausprobieren musste. Aber gut.
Ich sehe auf den Straßen eine Radkutsche, ein Lieferfahrer sitzt drauf. Er rackert sich ab beim Fahren gegen den Sturm. „Tja, umkippen kann er ja nicht“, ist der trockene Kommentar meines Mannes auf meine Verwunderung, dass der Lieferfahrer unterwegs ist.
Im Ort und hinterm Deich sind die Wetterbedingungen nicht mehr so schlimm. Ich sehe ein bekanntes Elternpaar, das seine Kinder auf dem Schlitten hinter sich herzieht. Die Kinder tragen dicke Skiklamotten und freuen sich ihres Lebens. Auf den steilen Straßen werden die Schlitten und Rodel ausgepackt. Die Kinder jubeln. Bei dem Anblick wäre ich auch gerne noch ein Kind.
09.
Jan
Freitag, 09.01.2026, 20:00 Uhr
Die Jahreshauptversammlung der Feuerwehr findet trotz Wetter statt. Es sind nicht so viele wie sonst anwesend. Die wirklich unguten Wetterbedingungen sind schuld.
10.
Jan
Samstag, 10.01.2026, 11:31 Uhr
Um 14:30 Uhr wäre boßeln. Die Chefin sagt ab. Die Sorge? Wenn man den Kloot über so viel Schnee wirft, findet man ihn niemals mehr wieder. Und er häuft dann so viel Schnee an, dass man ihn nicht mehr werfen könnte. Ich bin froh drüber. So muss ich nicht raus ins forsche Wetter, sondern kann warm eingepackt am Kamin bleiben. Mir ist langweilig, also mache ich mich das erste Mal seit Ewigkeiten ans Häkeln. Was so passiert bei diesem Wetter.
10.
Jan
Samstag, 10.01.2026, 14:05 Uhr
Es entbrennt eine Diskussion zwischen meinem Mann und mir, was es am Abend bei der Jahreshauptversammlung der NO.PO.NI.RE AG zu essen geben wird. Das traditionelle Fischbüffet hätte am Freitag kommen müssen mit der Inselfähre, aber die fuhr ja nicht.
10.
Jan
Samstag, 10.01.2026, 15:45 Uhr
Am heutigen Tag fuhr der Inselexpress nur einmal die Strecke Norddeich – Juist – Norddeich.
11.
Jan
Sonntag, 11.01.2026, 12:19 Uhr
Auf geht’s zum Sonntagsspaziergang. Die Sonne scheint, die Sonnenbrillen werden ausgepackt, es geht quasi kein Wind. Wetteronline sagt, es seien -3 °C. Fühlt sich für mich kälter an, aber beim Laufen geht’s. Überall liegt Schnee. Es knirscht ganz wunderbar beim Laufen. Der Goldfischteich ist zum Teich vereist, ebenso die kleinen Wasseransammlungen am Jaguarpad (der Weg zur Wilhelmshöhe). Es ist ein richtiges Winterwunderland. Richtig magisch. Echt irre, wie anders das Wetter noch vor 24 oder gar 48 Stunden war.
11.
Jan
Sonntag, 11.01.2026, 19:54 Uhr
Die Wetteronline-App vermeldet die Gefahr vor Eisregen am morgigen Tag und Schneefälle in der Nacht.
12.
Jan
Montag, 12.01.2026, 06:05 Uhr
Ich gucke direkt nach dem Aufstehen aus dem Fenster. Ja, es hat geschneit. Muss der Mann wieder räumen? Wahrscheinlich. Es wäre ja sonst der erste Tag seit über einer Woche gewesen, an dem man nicht mindestens dreimal pro Tag hätte räumen müssen. Inzwischen ist der Weg in den Garten kaum noch zu erkennen. Der Garten selbst steht gefühlt meterhoch unter Schnee. Das sieht schon total seltsam aus.
12.
Jan
Montag, 12.01.2026, 08:58 Uhr
Die Info von der Frisia kommt, dass man wohl heute und morgen nach mit der Inselfähre und dem Inselfrachter Fahrplan fahren könnte.
Krisenstab der Inselgemeinde Juist
Man kennt das ja: Sondersituationen laden dazu ein, sich Gedanken zu machen. Und das ist auch gut so, denn gewappnet zu sein, ist die halbe Miete. Auch die Inselgemeine hat einen – ich nenne ihn mal so – „Krisenstab“. Da treffen sich Vertreter der Inselgemeinde, der Feuerwehr und anderen Institutionen wie der EWE, um über mögliche Krisen zu sprechen und was man machen kann. So auch, als es um das vorhergesagte Wetter ging. Was kann man tun, was sollte man tun, was können die Menschen auf der Insel tun? Was ich damit sagen will: Es wird sich gekümmert. Es wird geplant und gemacht und getan.


Leben bei Wintereinbruch auf Juist.
Die Insel Juist wirbt ja mit der Naturbelassenheit, damit, dass man hier der Natur und den Gezeiten ganz nahe ist. Ist ja auch so. Es ist ein Erlebnis, fernab der Stadt zu sein. Für Städter wie mich ist das in vielen kleinen Bereichen des Lebens ungewohnt. So habe ich mich bisher nie dafür interessiert, aus welcher Richtung der Wind kommt. Ist mir auf dem Festland ja auch einerlei, aber hier ist das wichtig. Denn: Ostwind drückt das Wasser aus der Deutschen Bucht und dann kann es dazu kommen, dass zu wenig Wasser im Wattenmeer ist und auch die Fähre zwischen Juist und Norddeich nicht fahren kann. Zwar fährt die Inselfähre zumeist durch die natürlichen Priele im Wattenmeer, aber wenn man den Juister Hafen schon mal bei solchen Bedingungen gesehen hat, wird schnell klar, dass die Fähre nicht anlegen kann.
Jedenfalls – Wo war ich? Ach ja, das Leben auf Juist geht bei so einem Wintereinbruch weiter, so wie auf dem Festland auch. Man muss ja trotzdem einkaufen, zur Arbeit, aufs Festland, die Kinder in die Schule oder in den Kindergarten bringen, Freund*innen treffen, die Freizeit ausnutzen.
Klar ist aber auch: Hier ist es dann ein bisschen anders. Es sieht anders aus, natürlich, denn der Schnee macht alles wunderschön, wie ich finde. Zu Fuß dauert dann alles etwas länger. Es ist mitunter auch rutschig(er). Man versucht, etwas weniger einkaufen zu gehen. Besonders schön: Man geht auch für Verwandte, Freund*innen und andere einkaufen, die es nicht so leicht haben. Denn das ist Gemeinschaft.
Auf dem Festland heißt es ja, man solle auf unnötige Bahnfahrten verzichten, ebenso auf unnötige Autofahrten. Hier gilt das Gleiche: Lauft vorsichtig, fahrt nicht unbedingt Fahrrad, wenn es nicht sein muss.
Für mich ist dieser Wintereinbruch auf Juist mit Schnee und Sturm eine ganz besondere Zeit: Mein Leben wird nicht eingeschränkt. Als ich auf dem Festland gelebt habe, war das mit dem Schnee immer so eine Sache. Plötzlich war es super schwer, von A nach B zu kommen. Mit dem Auto, weil die Leute mitunter keine passenden Reifen hatten, mit der Bahn, weil dann die drei Schneeflocken zu eine m Chaos geführt haben. Hier aber ist es für mich echt super. Ich brauche nur ein klein bisschen länger zur Arbeit, weil ich eh zu Fuß gehe. Hier im Ort ist man recht gut geschützt. Meine Arbeit im Büro ist die gleiche. Ich muss aktuell nicht aufs Festland. Wenn also eine Fähre ausfällt, ist mir das aktuell relativ egal. Ich habe genug zu essen zuhause. Für mich ist es also relativ egal, ob wir Schnee haben oder nicht. Ich kann mich einfach daran erfreuen, wie wunderschön dieser Schnee hier auf der Insel Juist ist.
Für andere Menschen gilt das natürlich nicht: Viele Kollegen bei der Inselgemeinde sind dann ganz viel draußen, frieren, werden nass, machen Überstunden, während die normale Arbeit für den Winterdienst zurückstecken muss. Alle, die im Loog leben und in den Ort müssen, spüren an der Billstraße die Stärke der Naturgewalten.
Winter auf Juist: Wusstest du schon, dass …
Wenn ich gefragt werde, wie das Leben auf Juist so ist, muss ich immer grinsen. Es ist ein normales Leben mit Verpflichtungen, Arbeit und Freizeit, wie überall anders auch. Aber dann hat man Situationen wie diese hier mit dem Schnee und kommt miteinander ins Gespräch und dann fällt mir auf, dass einiges doch anders ist.
Von daher …
Wusstest du schon, wie die Medikamente nach Juist kommen?
Eigentlich kommen die Medikamente für die Juister Apotheke mit dem Flieger. Seit die Inselflieger aber nicht mehr nach einem festgelegten Plan auf die Insel fliegen, sondern eine andere Gesellschaft nach Juist fliegt, werden die Medikamente mit dem Inselexpress nach Juist gebracht. Dann steht eine Angestellte der Apotheke mit Sackkarre am Hafen und geht als Erste an Bord, bevor die Gäste aufstehen dürfen, und holt die Pakete mit Medikamenten ab. Wenn der Inselexpress nicht fahren kann, wird entweder nach einer anderen Art der Anlieferung auf die Insel gesucht oder man wartet halt ab. In einem Fall wie dem Wintereinbruch Anfang Januar 2026, ist es so, dass die Insel einen Tag lang vom Festland abgeschnitten war, und daher die Medikamente einen Tag später gekommen sind. Die Apotheke auf Juist ist aber auch ziemlich gut ausgestattet und hat viele Medikamente „auf Halde liegen“.
Insgesamt gilt aber: Juist erhält seine Medikamente ziemlich schnell, aber bis auf den allerletzten Tag sollte man mit Bestellungen von Medikamenten nicht unbedingt warten.
Wusstest du schon, wie die Zeitungen nach Juist kommen?
Der Frachter nach Juist fährt nicht jeden Tag, sondern „nur“ von montags bis inkl. freitags. Und der Frachter fährt natürlich auch nur, wenn ausreichend Wasser da ist. So kann es sein, dass an einem Tag die Waren abends kommen und am nächsten Tag bereits am Morgen. So ist das hier einfach. Für Zeitungen ist das halt blöd, denn wer will noch am Nachmittag eine Zeitung kaufen? Von daher kommen die Zeitungen mit der frühesten Gelegenheit – mal ist das ein frühes Schnellschiff, eine frühe Inselfähre oder ein früher Frachter. Oder: Sie werden nach Juist geflogen, was aber nicht immer der Fall ist. Juist und Baltrum sind gute Freunde, also fliegt der Inselversorgungsflug nach Baltrum einmal nach Juist am Morgen und legt die Zeitungen am Flugplatz ab.
In diesem Januar 2026 kamen die Tageszeitungen dann einen Tag verspätet, was auch ungut ist, denn wer will denn die Nachrichten von gestern heute lesen?
Wusstest du schon, wie die Räumpflicht hier auf Juist ist?
Bei Wintereinbruch müssen Hauseigentümer die Gehwege vor ihren Häusern räumen. Oder sie müssen diese Pflicht an ihre Mieter weitergeben. Soweit, so klar. Wie ist das denn aber mit Zweitwohnungsbesitzern? Auch wenn sie nicht aktuell auf der Insel sind, so müssen Zweitwohnungsbesitzer sicherstellen, dass die Gehwege vor ihren Häusern passierbar sind. Gleiches Recht für alle. Das läuft eigentlich auch ganz gut: In einigen Ferienhäusern ist eine Wohnung zur Dauermiete an Menschen auf Juist vergeben, die sich ums Grundstück kümmern. Dann müssen diese Dauermieter halt entsprechend auch räumen. Alternativ gibt es einen festangestellten Hausmeister, der dann bei Schneefall räumt. Oder es wird ein lokal ansässiger Hausmeisterdienst beauftragt, der sich um das Räumen kümmert. Und, Holla die Waldfee, sind diese Jungs viel unterwegs gewesen!
Ein herzliches Danke an alle, die ihre Gehwege räumen und mit Sand oder dergleichen dafür sorgen, dass es nicht so rutschig ist.
Wusstest du schon, dass Pferde auch Winterreifen haben?
Na ja, so etwas Ähnliches zumindest. Pferdekutschen können auch bei Schneefall fahren. Wichtig ist hier aber, dass die Pferde entsprechende Hufeisen haben, damit sie Griff auf den Straßen haben, wenn Schnee und Glätte erwartet sind. Aber bei schlimmen Wetterbedingungen bleiben die Kutschen im Stall – besser für Mensch und Tier. Mir war das gar nicht aufgefallen, aber eine Bekannte sagte, dass sie noch gar keine Pferdekutschen gehört habe. Stimmt, denn an diesem Tag hatte ich auch keine gehört, aber schließlich hatte es auch ordentlich geschneit.
Winterwetter auf Juist
Ich würde hier gerne ein kleines Fazit ziehen. Kurzgesagt: Grund zur Panik haben wir nicht, Grund zur Vorsicht und Umsicht aber schon. Natürlich sollte man bei solchen Wetterlagen vorbereitet sein, aber wir müssen nicht kopflos und panisch Läden leerkaufen und hamstern. So schlimm war es nicht. Wir sollten vielleicht die Spikes für die Schuhe auspacken, aber nicht auf alles verzichten. Einfach vorsichtig gucken, ob man laufen kann oder ob es zu rutschig ist und dann eine Entscheidung treffen. Ganz entspannt und nicht panisch.
Auf Juist sind wir diesem Winterwettereinbruch zwar ausgesetzt, aber wir sind nicht schutzlos. Juist bekommt dieses Wetter ordentlich ab, aber auch wir können und vorbereiten und sind doch recht gut durch diesen Wintereinbruch gekommen.
Mein persönliches Fazit: Ich liebe den Winter hier! Er ist magisch und besonders. Der Schnee bleibt lange schön weiß, statt matschig grau, einige Wege sind unberührt, man sieht Tierspuren im Schnee und es ist so wunderbar leise hier. Pure Magie! Juist im Winter ist eine meiner liebsten Jahreszeiten auf der Insel und dieser Wintereinbruch, den wir erlebt haben, ist genau der Beweis dafür.






Hallo Julia, danke für deine tollen Fotos und Videos über das Töwerland im Schnee. Ich war letztes Jahr 3 Wochen auf Juist zur Mütterkur, bei schönem Wetter und gelungener Reha. Wir haben viel gesehen und erfahren.Ich bin über 300 km gelaufen (inc. Sport) und habe diese schöne Insel lieben gelernt. Diese Ruhe und Weite, keine Autos ( bin aus Leipzig), alles entspannt und einfach nur traumhaft.Ich weis nicht, ob ich es schaffe, hier nochmal herzufahren, da es schon recht preisintensiv ist. Aber mich lässt dieses tolle Fleckchen Erde nicht los,habe sogar das Weihnachtsquiz mitgemacht.Ich wünsche für euch alles Gute und immer nette Gäste. Ganz herzlich Gabi aus Leipzig
Juist ist auch im Winter ein „Zauberland“!!! Ich hoffe, dass es sich seine Einzigartigkeit bewahrt und nicht irgendwann danach strebt, eine weitere Insel der Reichen zu werden, die ihre Seele aus Profitgründen verkauft.
Juist im November 2025 – ein menschenleerer Strand unter blauem Himmel und strahlender Sonne…
Juist in einem kalten Februar vor Jahren – gefrorene Gischt, Eiskristalle am Dünengras, Wellhornschneckenhäuser wie Ostereier am Hauptstrand – lauter Wunder, die einfach nur glücklich machen und beweisen: TÖWERLAND!
Vielen lieben Dank für die tollen Wintergeschichten aus Juist. Ich wünsche mir, dass dies alles bis zum Juni vergessen ist und bis zu unserer Ankunft auf Juist nichts schlimmeres passiert (Sturmfluten oder andere schlimme Wetterereignisse). Wir haben uns jedenfalls sehr gefreut, auch mal anderes über das Inselleben zu erfahren und das alles zum guten Ende mit zu erleben. Wir hatten Anfang Januar auch ein neues Erlebnis: ganze 8 Tage ohne jeden Strom und Heizung für tausende Haushalte!
Aber auch wir haben das geschafft und fühlen uns danach einfach wieder gut ,etwas nachdenklich „besser“. Bis bald im Juni.
Moin liebe Julia,
deine Texte über die schöne und so schön ruhige Insel JUIST, sind immer interessant.
Bei den Infos von der Insel, muss ich immer u. a. an die schöne Kinderzeit denken. Mein (großer) Bruder 2 1/2 Jahre älter als ich, ich noch keine 4 Jahre Jung, waren das 1. Mal während der Sturmflut 1962, im WEBERHOF. Unser Hausarzt hatte dies unseren Eltern empfohlen, da wir immer sehr leicht erkältet waren. Damals, ich weiß es noch wie heute, lag Schnee im Garten und wir Kinder mussten barfuß laufen ! Der Schnee reichte auch zum Schneemann bauen. 1963 waren wir im Sommer dort. Es waren sehr schöne Zeiten im Weberhof. Ich habe noch die Briefe, die vom Weberhof zur Info an unsere Eltern, geschrieben wurden. Wir Beide hatten damals nicht viel Freude am Fisch essen, das war aber nur bis zu der Zeit im Weberhof. Bei Abholung durch unsere Eltern, sagten wir Brüder gleichzeitig, wir können noch nicht nach Hause, HEUTE gibt es LECKER FISCH ! Nun ist da schon lange, der Spruch wenn es Fisch gibt. Dann war im Jahr 1966 die Fußball WM in England und wir haben u. a. das berühmte (nicht) Tor dort in einer Pension gesehen.
Also, es gibt noch viele weitere Erlebnisse, die mit JUIST in Verbindung stehen.
So, hier gibt es ja auch den ganzen Januar Schnee und Kälte, aber die letzten Tage ist ein sch…. kalter Wind. Brrr.
Beste Grüße aus der Nähe von Bremen !