Mola, Mola!

Der Mondfisch – das mystische Wesen

Hast du schon mal einen Mondfisch gesehen? Er könnte mystischer und unglaubwürdiger nicht wirken.

Der Mondfisch aus der Nordsee. Der Mondfisch auf Juist.

Im Januar 2022 wurde bei uns auf Juist ein Mondfisch gefunden. Er lag angespült und leider tot am Strand. Mondfische leben normalerweise in wärmeren Gefilden. Der Juister Mondfisch wurde wohl von der Strömung in die Nordsee getrieben und von der Kälte überrascht. Die hat ihn wahrscheinlich bewegungsunfähig gemacht. Der Arme strandete und starb.

Wie sieht ein Mondfisch aus?

Erst einmal: Er ist riesig. Man vermutet, dass eine Reihe von Genen eine Überproduktion von Wachstumshormonen verursacht. Neben der Größe ist es ihr ungewöhnliches Aussehen, das den Mondfisch sonderbar mystisch macht.

Die rund, zusammengedrückte Kopf- und Körperform, die langsame Schwimmweise, bei der sie ihre sehr langen und schmalen After- und Rückenflossen wie Vogelflügel schwingen, ihr winziger und immer offener Mund, ihre sehr großen, glotzenden Augen und die zurückgezogene Lebensweise machen aus den Mondfischen die Fabelwesen der Meere.

Warum heißt der Mondfisch „Mondfisch“?

In Deutschland sagt man gern mal schwimmender Kopf. Oder eben Mondfisch, weil er wie ein Mond aussieht. So rund und knubbelig. Durch seine helle Farbe wirkt er auch wie ein umher schwebender Mond im Dunkel des Meeres. Auf den Philippinen sagt man putol („durchgeschnitten“). In Dänemark und Norwegen ist er der “Klumpfish” (Klumpfisch) und in Taiwan sagt man „umgestürztes Auto“. Im Englischen ist es der Sunfish. Sunfish, weil er sich gern an der Wasseroberfläche treibend sonnt. Die Wissenschaft vermutet, dass er sich nach seinen tiefen Tauchgängen aufwärmen muss. Der lateinische Begriff „Mola mola“ trifft es wohl am besten. Das heißt nämlich „Mühlstein“ übersetzt. Und so sieht er auch aus. Obwohl wir gerade nach diesem Fund auf Juist nur sagen können: Mondfische und ihre Namen liegen im Auge der Betrachtenden.

Im Januar 2022 wurde hier bei uns auf Juist ein Mondfisch gefunden. Er lag angespült und leider tot am Strand.

Wer hat Angst vor einem schwimmenden Mühlstein?

Wenn du ein Mensch bist oder einfach eine harte Schale hast, brauchst du keine Angst vor dem seeeehr langsamen und sehr friedlichen Mondfisch zu haben. Mola mola ist zwar verdammt groß, aber eher der zahnlose Tiger des Meeres. Jagen, blitzschnelles Manövrieren, schnelles Schwimmen – das sind nicht seine Stärken. 

Was frisst ein Mondfisch?

Auch ein Mondfisch ernährt sich nicht rein von Luft und Liebe. Seine Beute hängt von seinem Lebensraum ab. Eines muss sie sein: Weich! Mola Mola frisst Quallen, Plankton, Aale, Aallarven, Seesterne, Schwämme, Salpen (Tintenfische), kleine Fische und ab und an auch Algen

Er saugt seine Beute einfach durch seinen stets offen stehenden Mund ein. Der ist übrigens im Verhältnis zu seinem riesigen Körper sehr klein. Und hat keine Zähne. Die sind zu einem papageiartigen Schnabel verwachsen.

Weil Mondfische so gern Quallen fressen, verwechseln sie umhertreibende Plastiktüten oft mit ihrer Lieblingsspeise. Und das wird ihnen dann zum tödlichen Verhängnis.

Noch ein Grund mehr, auf Plastiktüten jeglicher Art zu verzichten. Denn die landen einfach immer wieder im Meer.

Sind Mondfische für Menschen gefährlich?

Als Mensch brauchen wir uns vor dem sanften Riesen wahrlich nicht fürchten. Theoretisch. Angreifen würden uns die sanften Giganten wohl nicht freiwillig.

Dennoch eine kleine Anekdote: Im Jahr 2005 wurde ein vierjähriger Junge von einem Mondfisch sprichwörtlich „über den Haufen“ gesprungen. Die Geschichte: Eine Familie machte eine kleine Segeltour vor der Küste von Wales. Sie sahen einen riesigen Mondfisch im Wasser vor ihrem Boot umherdümpeln. Alle waren begeistert. Dann verschwand der Fisch plötzlich … und sprang plötzlich auf der anderen Seite des Bootes aus dem Wasser. Und landete im Boot und auf einem der Kinder der Familie. Sicher nicht, um den vierjährigen Byron anzugreifen. Sondern einfach aus Versehen. Dennoch sind 30 kg Mondfisch kein Leichtgewicht. Der Vater musste seinen Sohn unter dem Mondfisch hervorziehen. 

Warum sprang der Mondfisch aus dem Wasser auf den vierjährigen Byron?

Mondfische springen aus verschiedenen Gründen aus dem Wasser:

  • Suche nach Nahrung,
  • Fortpflanzung
  • oder um lästige Parasiten auf ihrer Haut loszuwerden.
  • Manchmal tun sie es einfach aus Spaß, weil es ein schönes Gefühl ist.

Aus welchem Grund der Mondfisch an diesen Tag aus dem Meer sprang, werden wir wohl nie erfahren. Der Junge kam glücklicherweise glimpflich davon, ein paar Schrammen und wohl ein ziemlicher Schreck.

Wie sagt man so schön: Zur falschen Zeit am falschen Ort! 

Die ungewöhnliche Anatomie des Mondfisches.

Er sieht mystisch aus. Keine Frage. Und da er eine so ungewöhnliche Körperform hat, liegen einige seiner inneren Organe an sehr ungewöhnlichen Stellen.

Die Nieren zum Beispiel liegen direkt hinter dem Kopf. 

Großer Fisch, kleiner Geist?

Mola Mola überzeugt definitiv mit seiner Form und Größe. Man sagt einigen Organen nach, sie würden Gift enthalten. Und überhaupt ist ja bei ihnen alles anders. Über ein Organ haben wir noch nicht gesprochen: Das Gehirn. Das ist nämlich rekordverdächtig klein. Also winzig. Selbst die größten und schwersten Mondfische (200 kg sind keine Seltenheit) haben ein Gehirn, das lediglich 5 Gramm wiegt und kleiner als ihre Nieren sind, die direkt hinter ihrem Gehirn liegen. Alles irgendwie unerwartet anders bei Mola Mola!

Im Gegensatz zu anderen Fischen hat der Mondfisch keine Schwimmblase. Mit der Schwimmblase regulieren Fische ihren Auf- und Abtrieb, indem sie die Menge an Gas variieren. 

Der Fisch ohne Schwimmblase

Mondfische haben keine Schwimmblase. Mola Mola regelt dies wie Haie und Rochen mit ihrer sehr öligen Leber. Und: Sein gallertartiges Innenleben hat die gleiche Dichte wie das Meerwasser (1,03 g/cm3), wodurch er auch ohne die Schwimmblase seine Schwimmtiefe selbst tarieren kann. Der Vorteil dabei: Diese Masse wird beim Tieftauchen nicht wie eine Schwimmblase zusammengedrückt, der Auftrieb bleibt erhalten. Auch seine extrem dicke, gummiartige Haut trägt dazu bei, dass er eine Schwimmblase nicht nötig hat.

Ganz unwissenschaftlich also: Innen schwabbelig, außen fest und gummiartig. Wer braucht da schon eine Schwimmblase?

Und so kann der Mondfisch spontan in 50 Meter Tiefe abtauchen, was er gern auch tut. Das kann so ein Schwimmblasenfisch nicht so einfach. 

Eine „normale“ Schwanzflosse hat der Mondfisch auch nicht. Die hat sich im Laufe der Evolution zurückgebildet. Zurückgeblieben ist eine Art knolliger Pseudoschwanz, der mit dem restlichen Körper verwachsen ist. 

Überhaupt scheint – wenn einem ein Mondfisch begegnet, was wirklich selten passiert – ein überdimensionierter Kopf an einem vorbeizuziehen. In stoischer Ruhe. 

Aus einer anderen Dimension

Mondfische sind die größten Knochenfische weltweit. Knochenfische haben ein verknöchertes Skelett im Gegensatz zu den Knorpelfischen (Haie, Rochen).

Sie können über 3 Meter lang werden, 4 Meter „hoch“ und bringen locker zwei Tonnen auf die Waage. 

Und jetzt kommen wir wieder zu einem Merkmal, mit dem sich Mola Mola besonders macht. Knochenfische haben meist Schuppen auf ihrer Haut. Haie übrigens haben kleine Hautzähnchen. Unser Mondfisch aber scheint nackt zu sein. Ihre Haut ist grau, rau, lederartig und sehr dick (6-8 cm dick) und elastisch. Aber keine Schuppen.

Ein Fisch fürs Guinessbuch der Rekorde

Es ist kein Wunder, dass ein solcher Fisch alle möglichen Rekorde bricht. Und damit auch seinen Platz im Guinnessbuch der Rekorde verdient. Der schwerste Knochenfisch, der größte auch. Und sonst? Der Mondfisch ist der fruchtbarste Fisch der Welt. Ein Weibchen kann bis zu 300 Millionen Eier pro Vorgang ablaichen. Dreihundertmillionen! Die Eier sind nur drei Millimeter lang. Also wahre Winzlinge, die später zu wahren riesigen werden. Zum Schutz vor Feinden haben die Mini-Monde kleine Stacheln am Körper, was sie bereits im Larvenstadium zu kleinen Aliens macht.

Chapeau!

Und warum so viele? Aus der Biologie wissen wir doch, dass größere Lebewesen oft sehr widerstandsfähig sind und gar nicht so viele Nachkommen für den Erhalt ihrer Art benötigen. Nun. Mola Mola mag ein Riese sein. Aber ein zahnloser und sanfter. So langsam wie er schwimmt, ist er einfach die perfekte Beute für Seelöwen, Orcas und Haie. Und dann ist da noch der Hauptfeind. Der Mensch. Mondfische gelten weltweit als gefährdet, laut der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN. Die größte Gefahr: Sie landen als Beifang in den Netzen der großen, industriellen Fischerei. Man schätzt, dass in bestimmten Gegenden der Mondfisch-Beifang ca. ein Fünftel des Gesamtfangs ausmacht. Hinzu kommen die Verschmutzung der Meere durch Gifte und Plastikmüll. Wie bereits erwähnt: Gerade Schwebeteilchen und Plastiktüten sehen für den Mondfisch wie Quallen aus und landen zuhauf im Magen der Tiefe. Ihr Todesurteil.

Kann man Mondfische essen?

Mondfische sind – zum Glück für Mola Mola – kein klassischer Speisefisch. Es gibt keinen kommerziellen Fang für Mondfische. Er ist kaum genießbar. In manchen Ländern schätzen manche Menschen ihr gummiartiges Fleisch, sprechen ihm besondere Kräfte zu. Dabei enthält ihr Fleisch das Nervengift, wie es auch der Kugelfisch enthält. Beide sind übrigens miteinander verwand. Vielleicht ist es genau dieses Gift, was ihn so spannend für manche Gourmets macht. Auch werden einige Teile des Mondfisches in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet. Einen kleinen Markt finden Mondfische also trotz der Ungenießbarkeit.

Was tun bei einer Mondfisch-Sichtung?

Wenn du im Wasser einen Mondfisch siehst, genieße diese Moment! Es ist etwas Besonderes. Dann gib dem Juister Ranger Bescheid. Solange der Mondfisch im Wasser schwimmt, ist im Grunde alles ok. Wichtig ist, dass Fischer und Fischerinnen informiert werden, damit sie ihn nicht fangen oder bedrängen. Außerdem kannst du deine Sichtung auf der Website für Mondfisch-Sichtungen eintragen. Die Seite oceansunfish.org ist ein sogenanntes Citizen Scientist Projekt. Hier können Nicht-Wissenschaftlerinnen und Nicht-Wissenschaftler ihre Sichtungen eintragen. Das sind Daten, die wichtig sind für die Wissenschaft. Und da die Wissenschaft nicht überall sein kann, Bürgerinnen und Bürger aber schon, gibt es auch für Mola Mola solch eine Plattform. Hier lernst du noch viel mehr über die aufregenden Wesen.

Die Seite für die Mondfisch-Sichtungen auf oceansunfish.org

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Julia Jung

Julia Jung kennt Juist von vielen Besuchen. Meist nur kurz, weil fast immer beruflich. Das bringt eine ganz eigene Perspektive auf die Insel. Ihre Leidenschaft sind die Meeresbiologie und die Psychologie hinter der Faszination für das Meer. Das Konzept des "Blue Mind" ist ihr Thema im Seezeichen, wie auch kleine Einblicke ins Leben im und am Meer.

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