Urlaubsduft.
Wie riecht Urlaub?
Wie riecht Urlaub?
Nach See und Salz, nach Sonnencreme und Eis, nach Pommes und Chlor. Zumindest rochen so die ersten Urlaube, an die ich mich erinnern kann. Unter einer brennenden Sonne, wenn meine Mutter mich zwingen musste, mich einzucremen.
Heute riecht Urlaub für mich anders.
Aber ich kann mir easy vorstellen, dass für viele Menschen Urlaub nach Frische riecht, nach Seeluft und Natur und Gewürzen. Irgendwie exotisch und dennoch vertraut. Urlaub riecht einmalig. Es ist dieser Moment, wenn alles noch neu und unvertraut und spannend und aufregend ist. Urlaub ist, wenn man endlich mal Zeit und Muße hat, bewusst Gerüche wahrzunehmen.
Wie funktioniert das überhaupt mit dem Riechen?
Düfte können Herzschlag und Atmung beruhigen oder beschleunigen
Unser Körper ist ein kleines Wunderwerk der Natur. Viel ist wirklich clever gebaut und geplant, entwickelt. Viele Dinge passieren so schnell und so unauffällig, dass wir gar nicht merken, was wir tun. Wir bemerken dann nämlich nur das Endergebnis.
Riechen zum Beispiel auch.
Wir Menschen riechen zwar nicht so gut, wie viele Tiere, aber auch wir nehmen Gerüche wahr: Während Katzen bis zu 65 Millionen Riechzellen haben und Hunde sogar bis zu 200 Millionen, haben wir Menschen nur ca. 5 Millionen Riechzellen. Wir können Gerüche also weitaus schlechter unterscheiden, als die beliebtesten Haustiere. Normale Menschen können ca. 500 Gerüche auseinanderhalten, Kenner*innen und Parfüm-Fachleute weitaus mehr. Es ist eine Sache der Übung scheinbar. Veranlagung und Offenheit spielen aber sicherlich auch hinein.
Der Prozess dies Riechens
Wir Menschen riechen indem Duftstoffe – ganz gleich, welche – über die Nasenschleimhaut von Riechepithelen aufgenommen wird. Diese leiten die Duftstoffe ins Gehirn. Das Gehirn wird stimuliert. Hormone werden angesprochen, die unsere Stimmung beeinflussen können. Wenn nun also ein bestimmtes Hormon auf die „zuständige“ Riechzelle trifft, wird ein elektrischer Impuls freigesetzt, der das limbische System anspricht. Und dort entsteht dann eine Emotion, eine Erinnerung wird angesprochen oder ein Instinkt oder Schutzreflex wird erzeugt. All das passiert in unvorstellbar kurzer Zeit. Automatisch.
Unser Gehirn erkennt mit den zuständigen Riechzellen bekannte Gerüche.
Gerüche wiederum wirken auf unseren Körper:
Düfte können Herzschlag und Atmung beruhigen oder beschleunigen. Zimt und Zitronengras zum Beispiel schaffen es oftmals, Menschen zu entspannen. So wundert es kaum, dass ätherische Öle (=solche Öle, die über ihren Geruch Wirkung entfalten) im Wellnessbereich genutzt werden, um die Menschen in die richtige Stimmung zu versetzen, damit sie empfänglicher für Entspannung werden. Wie im Haus AnNatur.



Es reicht nach Urlaub.
Haus AnNatur.
Haus AnNatur kenne ich natürlich. So, wie man hier nun mal die Gastgeber und Unterkünfte kennt. Als ich die Tür öffne, bin ich erstmal baff. Es riecht hier. Ganz offensichtlich. Eine Mischung aus Holz, Sauberkeit und Duftkerzen, es riecht nach Zuhause und Entspannung und Langsamkeit. Ich finde den Geruch toll. Ganz auffällig, aber toll auffällig. Gut, dass ich in diesem Artikel über Gerüche und Düfte schreiben möchte. Da habe ich mir ja schon mal die richtige Location ausgesucht.
Kathrin, die Hotelchefin, nimmt mich schon breit lächelnd in Empfang. Sie zeigt mir „ihr“ Haus. Es ist nicht wirklich ihr Haus, aber sie hat es zu ihrem gemacht, wenn du weißt, was ich meine. Deko, Einrichtung: Das Haus AnNatur ist klein, aber fein. Jede Ecke ist genutzt. Ich muss manchmal einen Schritt zur Seite machen, damit wir beide durchkommen und die Tür geöffnet werden kann, aber das ist nun mal dieser Juister Charme: Aus wenig Platz wird viel gemacht. Und viel wurde hier auf jeden Fall aus wenig gemacht.
Und ich bilde mir ein, den frisch gebackenen Kuchen riechen zu können.
Mir fällt es sofort auf: Es duftet hier in jedem Raum anders.
Kathrin führt mich zuerst ins Untergeschoss, wo sich die Gästeküste befindet und das Büro. Der kleine Hotelhund begrüßt mich. Karli stolziert durch die Flure und lässt sich von den Angestellten begeistert streicheln. Es geht in die Gästeküche, ein moderner, aber ebenfalls liebevoll eingerichteter Raum. Schon da weiß ich, dass Kathrin ihr Haus mit Liebe führt. Das kann man schlichtweg nicht übersehen. Teekocher, Kaffeemaschine, kleine Snacks – Alles ist da. Auf Vertrauensbasis. „Die Gäste schreiben da auch Dinge rein, die ich ihnen kostenfrei hinstelle“, sagt Kathrin, als ich die Blumenmappe anspreche, in der nicht nur die Preise der Getränke notiert sind, sondern auch die Angabe, wer was konsumiert hat. Sie erzählt mir davon, dass sie immer sonntags einen Kuchen für die Gäste dort hinstellt. Und ich bilde mir ein, den frisch gebackenen Kuchen riechen zu können.
Weiter geht’s. Ich folge Kathrin durch das Hotelgebäude in den Zauberbrunnen und dann über die Rückseite des Gebäudes eine Etage hoch in den Yogaraum. Im hellen, lichtdurchfluteten und trotzdem gemütlichen Raum klingt gerade leise Musik. An der Stirnseite meditiert Nancy. Kathrin erzählt mir, dass Nancy für drei Wochen Yogastunden im Zauberbrunnen gibt.
„Hier riecht’s echt nach …“, beginne ich. Ein passendes Wort finde ich nicht. „Yoga!“, sagt Nancy und ich muss zustimmen. Es riecht nach Gewürzen, gemütlich und fernöstlich, sauber und heimelig irgendwie. Es riecht wirklich nach Yoga, sage ich, die ich mich höchstens mal im Urlaub an Yoga rangetraut habe.
Am Rand des Raums steht eine hölzerne Klangliege. Ich gucke skeptisch und hoffe, dass Kathrin und Nancy das nicht bemerken. Wäre ja unhöflich. Jedenfalls erklärt mir Kathrin die Nutzung der Klangliege: Man legt sich auf Oberseite, die mit einer dünnen Auflage bedeckt ist. Kathrin setzt sich neben die Klangliege und zupft und spielt die Harfensaiten, die unter der Liege angebracht sind. Es sind dunkle, beruhigende Klänge. F-Töne, sagt Kathrin. Nancy legt sich probeweise auf die Liege und sagt, die Musik gebe ihr ein gutes Gefühl, als Kathrin die Saiten anstimmt. Ich knie mich daneben und gucke zu. Ich könnte die Augen zu machen und wegdämmern. Es ist angenehm warm im Yogaraum. Es riecht so schön entspannt. Mein Kopf will gerne abschalten. Und das sagt ja wohl schon alles!
Weiter geht es in den Zauberbrunnen, dem Naturkosmetik- und Wellness-Bereich des Hauses. Es sind „nur“ zwei Räume, einer für Kosmetik, einer für Massagen und Anwendungen. Im Kosmetikraum riecht es wunderbar blumig und fruchtig, wohltuend und nach Salben. Allein hier drin zu stehen und mir das alles anzuschauen, fühlt sich an, als würde meine Haut profitieren.
Der andere Raum ist etwas größer. Als Kathrin die Tür öffnet, weht mir der Geruch nach Sauna, Holz und Wärme entgegen. Eine kleine Sauna ist dort, ein Holzzuber für Wannenbäder. Ich hätte nicht gedacht, dass der Zauberbrunnen hier auf Juist so gut ausgestattet aus. Wobei ich natürlich auch kein Maßstab bin, schließlich habe ich keine Ahnung von Wellness.
Kathrin lädt mich anschließend zum Frühstück ein. Auch hier riecht es … frisch, denke ich, nach selbstgemachten Dips und hausgebackenem Brot. Ich fresse mich nicht voll, obwohl ich es hier sicherlich könnte. Alles liebevoll eingerichtet, angerichtet und dekoriert. Dinge, von denen ich noch nie gehört habe. Ich probiere alles mal. Vegane Leberwurst, Zitronengras-Dip, Erbsen-Guacamole. Schmeckt mir alles. Super farbenfroh, diese Dips. Und es riecht alles so lecker.
Kathrin Wilhelm.
Ich bin froh, dass Kathrin sich Zeit genommen hat für mich.
Sie ist zertifizierte Naturkosmetikerin, bildete auf dem Festland selbst Kosmetikerinnen aus, ist staatliche geprüfte Masseurin, Bademeisterin, Klangschalen-Therapeutin und Vinyasa-Yogalehrerin. Wie sie nach Juist gekommen ist? Irgendwann fand sie sich im Zauberbrunnen wieder und gab dort eine Kosmetik-Schulung. Seit 2016 führt sie nun das Bio-Hotel Haus AnNatur und den Zauberbrunnen mit Naturkosmetik- und Gesundheitspraxis, Bio-Kosmetik-Verkauf, Ayurveda- und Klangmassagen sowie Yoga.
Kathrin scheint für mich die Dame des Hauses zu sein: Sie liebt diese Arbeit und hat tausend Ideen. Sie stellt die Frühstücksdips und das Brot selbst her, sie backt jeden Sonntag einen Kuchen für die Gäste, leitet Meditationen und so viel mehr. Klingt nach mehr als 24 Stunden für mich, die sie pro Tag hat.
Was ich ganz toll finde: Als ich mich fürs Frühstück bedanke und die Dips erwähne, fragt sie, ob ich gerne die Rezepte hätte. Ich versuche, charmant abzulehnen: Ich koche nicht gerne, esse aber umso lieber.
Wer, anders als ich, aber gerne kocht und neugierig geworden ist, findet so einige Rezepte auf dem AnNatur-Rezeptblog:
Als ich Kathrin den Text zur Korrektur und zur Info schicke, bittet sie mich, etwas zu ergänzen und da muss ich ihr zustimmen. Sie schreibt: „Aber ohne meine Mitarbeiter wäre ich gar nichts. Es hängt so viel an ihnen und ihrer super Arbeit“. Und das stimmt auf jeden Fall! Freundliche Mitarbeiter und Menschen, die Spaß an ihrer Arbeit haben, sind mit Gold nicht aufzuwiegen!



„Es riecht nach Entspannung“
Ganz bewusst riechen und atmen: Das geht zwar hier auf der Insel wohl am besten, aber auch von Zuhause ist das eine easy Übung, um Stress abzubauen. Achtsam riechen, bewusst schnuppern.
Vielleicht – wahrscheinlich – sollten wir alle mehr bewusst riechen, was uns umgibt und genau das ein wenig analysieren.
Was riechen wir?
Was riechen wir nicht?
Ich fühle mich wohl bei Kathrin. Ich denke, es liegt am Geruch nach allem Möglichen. Wenn Gerüche uns in eine andere Welt entführen können – vor allem, wenn wir es erlauben und zulassen –, dann ist es sicherlich so, dass man in Kathrins Haus, dem Bio-Hotel AnNatur, wirklich der Entspannung näher ist, als an vielen anderen Orten. Selbst auf dieser Entspannungsinsel Juist. Ich stelle mir vor, wie ich als Gast nach einem langen Spaziergang nachmittags wieder in mein gemütliches Zimmer zurückkomme, der Geruch nach Holz und ätherischen Ölen weht mir entgegen. Wunderbar entspannend, finde ich!
Ich rieche auf dem Weg zurück im Büro immer noch diesen Duft nach Yoga. Es kitzelt mir ein bisschen in der Nase und ich habe das Gefühl, dass ich ein bisschen entspannter bin, als zuvor. „Es riecht nach Yoga“, echot es in meinem Kopf und ich muss grinsen.
Ganz bewusst riechen und atmen: Das geht zwar hier auf der Insel wohl am besten, aber auch von Zuhause ist das eine easy Übung, um Stress abzubauen. Achtsam riechen, bewusst schnuppern. Wir haben eine ganze Playlist für Menschen erstellt, um ein bisschen mehr Achtsamkeit und Meditation zu spüren und ich wünsche mir, dass jeder Mensch, der das braucht, diese Minute genießt:





Hallo,
da ich sehr gerne Zeit in Südtirol verbringe ist mein Urlaubsduft Zirbe.
Herb, würzig, aromatisch und wundervoll beruhigend.
Nach-Urlaubsgrüße…..Kerstin