Liebe.

Das mystische Wäldchen

Es gibt sie, diese magischen Orte. Die irgendwie verzaubert sind, die bezaubern und auf unerklärliche Weise berühren. Orte, an denen Fühlen über Denken geht.

Der Verstand ist weg und einzig ein Gefühl bleibt, steigt an wie die Flut nach der Ebbe. Manchmal ist das ein Gefühl von grundloser Freude, manchmal ein Gefühl von Beschwingtheit, manchmal eins von Trauer, manchmal eines von innerem Frieden.

Juist an sich ist so ein Ort. Ein Zauberland. Der kleine Prinz hätte es geliebt. Bestimmt.

Eine besondere Magie strahlt das kleine Areal zwischen Hammersee und Domäne Bill aus. Unscheinbar liegt es da, beinah zum Übersehen, das Wäldchen, zwischen Watt und Dünen, bewachsen mit windschiefen Bäumen und Sträuchern, durch das sich verwunschene Pfade schlängeln, in dem Mensch sich fühlt wie in einer anderen, irgendwie unwirklichen Welt.

Hier geht’s lang zum Zauberwald.

Mystisch. Magisch. Sagenhaft.

Vielleicht liegt es an Juists Geschichte, dass gerade dieser westliche Teil der Insel so magisch wirkt. Damals, im 17. Jahrhundert, lag das Dorf mit Kirche im Westen, in etwa dort, wo sich heute das Loog befindet. Die Petriflut von 1651 riss die Insel ungefähr dort, wo sich heute der Hammersee befindet, in zwei Teile. Im Jahr 1717 gab es zwei Ortsteile, in denen die Juister lebten. Es gab ein „entweder oder“: Die Bill im Westen oder das Loog im Osten.

Kaum vorstellbar, dass Menschen einmal unter so harten Bedingungen auf dem heutigen „Zauberland“ gelebt haben. Dennoch wurde Juist vor langer Zeit zum „Töwerland“, auch damals war der Zauber Juists offenbar schon spürbar.

Die Welt ist voller magischer Orte, die geduldig darauf warten, dass unsere Sinne schärfer werden..

William Butler Yeats

Das Wäldchen liegt an einem geschichtlich bedeutsamen Ort. Vielleicht macht das seine Magie aus. Vielleicht ist dort noch etwas von dem alten Juist zu fühlen. Die Geschichte der Insel, die nicht mehr sichtbar oder greifbar ist, sondern nur noch spürbar. Wenn die Sinne geschärft sind.

Schärfe deine Sinne. Sei offen.

Das Wäldchen auf Juist ist kein Wald. Große Bäume gibt es hier nicht. Durch den beständigen Wind bleiben die Bäume nah am Boden. Höher hinaus geht es eben nicht.

Knorrige Äste, Unterholz wie in einem Urwald, nach Regen kleine, dunkle Wasserseen, in denen sich Nymphen tummeln könnten. Ein verzauberter Wald wie aus dem Märchenbuch. Besonders im Herbst und Winter, wenn Nebelschwaden über die Insel ziehen, wirkt das Zauberwäldchen mystisch und beinah geisterhaft.

“Frieden finden wir nur in den Wäldern.”

Michelangelo

Das sagt auch Astrid Witschorke, die mit Menschen, die sich für das, was hinter dem Offensichtlichen liegt, Juists magische Orte besucht. Sie spricht von den Bäumen als Lebewesen. Das sind sie zweifellos, wir beschäftigen Menschen vergessen das nur allzu leicht. Sie erzählt auch von mit dem blossen Auge nicht zu sehenden Naturwesen wie Elfen und Nymphen und Trollen, die in Juists Natur und besonders an Orten wie dem mystischen Wäldchen zu Hause sind.

Man kann das glauben oder auch nicht. Es ist ein bisschen schwierig, offen über Dinge zu sprechen, die sich Menschen nicht erklären können. Astrid Witschorke, die übrigens Juisterin ist, hat auch dazu eine klare Ansicht, die mutig ist und zugleich neugierig macht: „Jede*r trägt die Fähigkeit in sich, mehr wahrzunehmen als das, was wir mit den Augen sehen können. Wir müssen nur unsere Sinne schärfen, uns frei machen von Bewertungen und achtsam sein. Mit uns und dem, was uns umgibt.“

Auf Juist wird so deutlich, dass wir Menschen abhängig sind von der Natur. Und nicht umgekehrt.

Waldbaden ist in aller Munde. Was damit gemeint ist? Ganz einfach: bewusstes Sein im Wald.

Auf Juist ist es eher das Wäldchenbad. Inklusive Magie und Mystik.

Bäume sind gesund für Körper und Psyche, hat die Forschung herausgefunden. Regelmäßiges Waldbaden soll das Immunsystem stärken und vor Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Übergewicht schützen. Der Grund dafür ist unter anderem die positive Wirkung der sogenannten Terpene, der Aromen des Waldes. Über diese Boten- und Duftstoffe kommunizieren Pflanzen und Bäume miteinander.

Unsichtbar ist nicht gleich nicht existent.

Der Akt der Kommunikation zwischen Pflanzen und Bäumen ist genauso wenig sichtbar wie Elfen, Zwerge, Feen oder Trolle. Wir Menschen machen trotzdem einen Unterschied, denn die Wissenschaft beweist das eine – und steht ratlos vor dem anderen. Ist es deswegen unwahr?

Darauf habe ich keine Antwort, nur eine Meinung. Das ist aber auch nicht schlimm, denn jeder und jede von uns kann sich diese Antwort im Stillen selbst geben.

Im Wäldchen auf Juist lässt sich gut ausprobieren, wie viel unsichtbare Wahrheit um uns herum existiert. Kann Wahrheit ein Gefühl sein? Eine Empfindung, die ohne Erklärung, vielleicht sogar ohne Worte auskommt?

Man sieht nur mit dem Herzen gut…

Der kleine Prinz hätte das Wäldchen geliebt. Er hätte dort schnell Freundschaft geschlossen mit seinen Bewohnern, die wir heute Naturwesen nennen. Er hätte viele Fragen gestellt und viele Antworten bekommen. Wir hätten davon profitiert. Wenigstens ein kleiner Prinz, und nicht irgendeiner, hätte uns bewiesen, dass es mehr gibt, als wir sehen.

Ach, kleiner Prinz, wie schön wäre das gewesen, wenn du Juist kennengelernt hättest.

Aber wer weiß, vielleicht warst du da, auf dem Zauberland. Vielleicht bist du ab und zu an dem Ort, der be- und verzaubert zugleich.

Bis auf bald, im Wäldchen. Magisch. Mystisch. Zauberhaft.

4 Gedanken zu „Das mystische Wäldchen“

  1. Eintauchen in eine andere Welt. Ein bisschen gruselig oder unheimlich, besonders wenn es im Gebüsch raschelt und plötzlich ein Reh auftaucht.

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  2. Das kleine Wäldchen. unsagbar magisch und schön. Zu jeder Jahreszeit erscheint es seinem Besucher im anderen Licht. Ja, Elfen, Feen und Kobolde sind dort beheimatet. Sie erzählen dem stillen und aufmerksamen Besucher ihre Geschichten zwischen den kleinwüchsigen Büschen und knorrigen Bäumen. Im kleinen See huschen die Fische hin und her. Bei meinen öfteren Besuch auf Juist, war ich jedesmal in diesem verwunschenen Zauberwald, habe Bäume berührt und dem leisen Zwitschern der Vögel zugehört. auf eine vom Spender gestiftete Bank mit reizvollen eingeritzten Worten gesetzt und die Minuten genossen.
    Gerne denke ich an diese Zeit zurück und schicke herzliche Grüße an das Wäldchen und die Zauberinsel Juist
    Ursula aus der Sächsischen Schweiz

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  3. Juist ist mein „Lieblingsplatz“!
    Seit 46 Jahren immer wieder. Auf der Frisia schon drei Gänge zurückschalten, ankommen und genießen:
    Den Duft dieser Insel morgens beim ersten Öffnen der Tür – im Sommer nach Rosen, trockenem Gras, Pferdeäppeln und salziger Seeluft. Im Frühjahr und Herbst würziger und frischer. Dem Sonnenaufgang entgegenzulaufen, immer mein Tagesbeginn wenn ich hier bin. Tagsüber einfach das tun, was mir gut tut – spazieren gehen, ein Nickerchen auf einem Handtuch am Strand, das Stück Kuchen im Loogster Huus oder im lüttje Teeshuus. Gelegentlich mal Sauna und eine wohltuende Massage. Lesen, durch die Lädchen bummeln und abends lecker essen gehen.
    Meine Auszeit genießen bevor es wieder zurück geht ins Hamsterrad…
    Mein Töwerland – meine Insel!

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  4. Ich war noch nicht auf Juist, habe für den Sommer 1 Woche gebucht. Den Bericht habe ich aufmerksam und voller Spannung gelesen und freue mich schon, das Wunder-Wäldchen kennen zu lernen und die Insulaner.
    Freundliche Grüße
    Chr. Sondermann

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Katharina Schlangenotto

Ostwestfälin und Mallorca Residente, Yoga Teacher Trainerin aus Leidenschaft und ausgestattet mit der großen Stärke, das Leben von Menschen und Teams ganzheitlich und mit Leichtigkeit in Schwung zu bringen.

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