Lebensspiel.

Ich will doch nur spielen.

Was wäre, wenn das Leben nichts als ein Spiel wäre?

Spielst du mit?

Als Kind habe ich viele Tage am Juister Strand verbracht. Was ich da genau gemacht habe, könnte ich gar nicht mehr sagen. Vermutlich im Sand gegraben, in den Prielen nach Krebsen gesucht, damals war auch das Bauen von Sandburgen noch groß. Da durften die Kinder mithelfen, gebaut haben sie die Erwachsenen, besonders bei den Vätern weckte das den Ehrgeiz, und jede Menge Freude hatten sie auch.  

Juist kommt mir oft immer noch wie ein großes Spielfeld vor, vielleicht durch die bescheidene Größe der Insel und dem Gefühl, jenseits der Realität zu sein. 

Es ist egal, wie gut oder schlecht du in einem Spiel bist, klar ist aber, dass du es niemals nur halbherzig angehen kannst. Ganz oder gar nicht. Du musst zu 100 Prozent dabei sein – und dich an die Regeln halten.

Es gibt viele Dinge, die man man durchaus halbherzig betreiben kann. Doch bei einem Spiel gibt es diese Möglichkeit nicht: Du musst es immer mit vollem Einsatz spielen. 

Beim Spielen vergessen Kinder und Erwachsene Zeit und Raum, alles, was zählt, ist der Moment. 

Spielen bedeutet, miteinander in Kontakt zu treten, einander mit Interesse zu begegnen. Im Spiel treffen sich Mitspieler*innen und Gegenspieler*innen auf einer dynamischen Ebene. Dabei nutzen sie einander nicht für externe Ziele oder Zwecke, die außerhalb des Spiels liegen. 

Das Spielen schafft Räume für eine tiefere Sinnhaftigkeit, auch ohne spezifische Ziele oder nützliche Absichten. Es fördert die Kreativität und insbesondere die gemeinsame Kreativität – im Spiel können neue Möglichkeiten getestet und Potenziale entwickelt werden.

Der Ernst des Lebens? Das kann nicht alles sein!

Ohne spielerischen Ansatz droht uns das Leben durch seinen Ernst zu überwältigen. Das Leben ist zwar kein Spiel, aber die Fähigkeit zu spielen ist essenziell für das Überleben und Wohlbefinden.

Kinder sind wahre Meister des Spielens. Sie tauchen vollständig in ihre Fantasiewelten ab, vergessen alles um sich herum, lassen ihrer Kreativität freien Lauf und erleben dabei pure Freude. Davon können wir Erwachsene uns eine dicke Scheibe abschneiden. 

Astrid Lindgren kletterte bekanntlich auch mit über 80 Jahren noch auf Bäume und hat es nie verlernt, Kind zu sein. In ihren Geschichten durften Kinder wild, frech, fröhlich und verrückt sein. Pippi Langstrumpf, Ronja, die Räubertochter, Michel aus Lönneberga: Sie alle wollten alles, außer sich an die langweilige Welt der Erwachsenen anpassen. Wir wissen nicht, was aus ihnen geworden ist und ob die Erwachsenenwelt sie am Ende nicht doch erwischt hat. 

Es ist schon komisch. Wir finden diese Geschichten und die unkonventionellen Charaktere darin großartig, und ein Teil von uns wünscht sich, auch so zu sein und für immer zu bleiben – und dann grätscht das Leben voll hinein und alles, was bleibt, ist ein Gefühl von Bedauern über den Verlust der Kindheit. Doch muss das so sein? 

Wenn man genügend spielt, solange man klein ist, trägt man Schätze mit sich herum, aus denen man später sein ganzes Leben lang schöpfen kann.

Astrid Lindgren 

Müssen wir das Spielen um den Preis des Erwachsenwerdens aufgeben? 

Dr. Karin Falkenberg ist Ethnologin und Sozial-Historikerin und sie leitet das Deutsche Spiele-Archiv und das Nürnberger Spielzeugmuseum. Sie beschäftigt sich unter anderem mit der Frage der Spiel-Motivation nicht nur bei Kindern, sondern besonders bei junggebliebenen und spielenden Erwachsenen, den sogenannten Kidults. Das Wort setzt sich zusammen aus den englischen Worten „Kid“ und „adults“, übersetzt bedeutet es so viel wie spielende Erwachsene. Die modernen Astrid Lindgrens. 

Menschen spielen, so Dr. Falkenberg, „weil sie Lust dazu haben, weil sie sich ausklinken wollen aus dem Alltag, weil sie den Kopf frei kriegen wollen, weil sie Kreativität lieben, weil sie gerne Theaterspielen, weil sie völlig verrückte Sachen machen.“

Was wäre also, wenn es dir gelingt, dein Leben als ein Spiel zu betrachten? Auch das Leben kann verrückte Eskapaden schlagen, kein Zweifel. 

Was wäre, wenn wir das Leben genau wie ein Spiel, mit Freude und Leichtigkeit angehen würden? Wenn es gelänge, es einfach gar nicht so ernst zu nehmen? 

Das Lebensspiel und seine spirituelle Bedeutung

Das Lebensspiel ist eine Metapher für die Art und Weise, wie wir unser Leben gestalten und erleben. Es erinnert uns daran, dass das Leben nicht nur aus ernsten Pflichten und Herausforderungen besteht, sondern auch aus Freude, Kreativität und dem Erkunden des Unbekannten. Spirituelle Lehrer*innen wie Eckhart Tolle und der Buddha betonen, dass das Leben im gegenwärtigen Moment stattfindet und dass wir durch das Spiel in diesen Moment eintauchen können.

Das Leben ist eine Aneinanderreihung von Momenten. Es liegt an uns, was wir aus ihnen machen, ob wir sie mit Missmut vergeuden oder mit Freude füllen.

Eckhart Tolle

Tolle sagt auch:

„Die Vergangenheit hat keine Macht über den gegenwärtigen Moment.“ 

Kinder leben diese Weisheit intuitiv. Sie sind vollständig im Hier und Jetzt, ohne von den Sorgen der Vergangenheit oder Ängsten der Zukunft belastet zu sein.

Das Spielen ermöglicht ihnen, diese Freiheit zu erfahren, und zeigt uns, wie wir das Leben auf eine leichtere und erfüllendere Weise leben können.

In der Mitte des Sturms gibt es einen Punkt der absoluten Ruhe und Stille. 

Osho

Diese innere Ruhe zu finden, ermöglicht es uns, dem Lebensspiel mit Gelassenheit und Freude zu begegnen. Meditation, Achtsamkeitsübungen und Selbstreflexion sind Werkzeuge, die uns helfen können, diese innere Stabilität zu entwickeln.

Dann fällt es leichter, die Spielregeln des Lebens zu akzeptieren und sich daran zu halten. Nicht immer sind wir einverstanden mit ihnen, doch was nutzt es? Zu jedem Spiel gehören gewissen Regeln. Eine ist, wirklich DA zu sein.

Der spirituelle Lehrer Osho hat dazu eine sehr einfache und effektive Mini-Meditation entwickelt. Sie geht so:

Bist du da?

Immer wieder kannst du dich über den Tag fragen: Bin ich wirklich da? Bin ich DABEI? Oder mit meinen Gedanken ganz woanders? Dann holst du dich zurück. So einfach. Und so schwer.

Das Spielen, wie Kinder es tun, zeigt so schön wie es geht, im Hier und Jetzt zu versinken, kreativ und offen zu sein für das Unbekannte und aus Fehlern ganz einfach zu lernen – anstatt sich für sie zu schämen.

Die Spielregeln für das Leben klingen so banal, dass sie schon wieder schwierig werden:

  1. Sei präsent. Sei da!
  2. Sei kreativ.
  3. Akzeptiere das Unbekannte.
  4. Lerne aus Fehlern
  5. Pflege Beziehungen.

Gelassenheit ist dabei ein wichtiger Schlüssel, denn dann beginnt das Spiel des Lebens wirklich Spaß zu machen.

Es läuft etwas anders als gewünscht? Na und? Es ist doch nur ein Spiel!

Mit der nötigen Gelassenheit kannst du den Herausforderungen des Lebens mit einem Lächeln begegnen und jede Erfahrung als Teil des Spiels sehen.

Geh dein Leben von jetzt an doch einmal spielerisch und mit einer kindlichen Freude an – und schau, was passiert.

Das Leben ist kein Problem, das gelöst werden muss, sondern ein Spiel, das gespielt werden will.

Osho

Heute nur gespielt? Na und?

Es gibt gute und wissenschaftlich erwiesene Gründe, warum Spielen immer eine gute Idee ist. Auch für Erwachsene. Denn beim Spielen sind alle Bereiche im Gehirn gleichermaßen offen.

Die Fakten:

Spielen fördert die Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, sich zu verändern und anzupassen. Neue neuronale Verbindungen werden geschaffen, und bestehende werden gestärkt, was das Lernen und die Gedächtnisbildung unterstützt.

Spielen setze Neurotransmitter frei, das sind körpereigenen Glückshormone wie Dopamin und Serotonin, die das Wohlbefinden steigern und Stress reduzieren.

Spielen verbessert die kognitiven Funktionen, kurbelt also Problemlösungsfähigkeiten, die Kreativität und das kritische Denken an. Spiele, die strategisches Denken erfordern, stärken zudem die exekutiven Funktionen des Gehirns.

Auch die Aufmerksamkeit und Konzentration verbessern sich durchs Spielen erheblich, es wird leichter, fokussiert bei einer Sache zu bleiben.

Das Leben ist nicht immer lustig und vergnüglich wie ein Spiel, das ist ja klar. Doch es macht mehr Spaß, es wie ein Spiel anzugehen, weniger verbissen und zielorientiert als gelassen und auf den Prozess ausgerichtet. 

Und wie oft und wie gut gelingt es dir, dein Leben als Spiel zu betrachten?

Was ist Spielen für dich?Schreibe deine Gedanken:

Katharina Schlangenotto

Ostwestfälin und Mallorca Residente, Yoga Teacher Trainerin aus Leidenschaft und ausgestattet mit der großen Stärke, das Leben von Menschen und Teams ganzheitlich und mit Leichtigkeit in Schwung zu bringen.

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