
Priel
Dein Impuls:
Gestern hast du den leisesten Ton gesucht und bei ihm verweilt. Heute finden wir kleine Wege. Geh in deinen Gedanken wieder ins Wattenmeer.
Dort im Wattenmeer gibt es unzählige kleine Priele. Das sind Wasserwege. Sie ziehen sich durch die Fläche. Sie finden ihre Richtung, ohne Eile.
Vielleicht ist das ein freundlicher Gedanke. Du musst nicht alles auf einmal wissen. Du musst nur eine Richtung finden. Für diesen Moment.
Heute nehmen wir das in den Atem. Als Frage, die beruhigt.
Erstens: Atme ein. Und frag dich: „Wo fließt der Atem gerade entlang?“ Nase. Hals. Brust. Bauch.
Zweitens: Atme aus. Und stell dir vor, der Ausatem findet einen schmalen Weg nach draußen. Nicht breit. Gezielt. Sanft.
Drittens: Leg beim Ausatmen die Lippen leicht aufeinander. Und lass die Luft durch eine kleine Öffnung entweichen. Wie durch einen stillen Kanal. Fünf Atemzüge lang.
Wenn es dir hilft, leg dabei eine Hand auf den Bauch. Nicht, um zu prüfen. Nur, um da zu sein. Wie ein Ufer.
Wenn der Atem heute unruhig ist, ist das okay. Ein Priel kann auch schneller fließen. Er bleibt trotzdem ein Weg.
Du musst dich nicht „beruhigen“. Du darfst dem Atem nur eine Spur geben. Und die Spur führt nach Hause.
Und wenn du heute an einer Stelle festhängst, frag dich: „Was wäre ein kleiner, schmaler Weg“? Manchmal reicht ein einziger Satz. Oder ein Nein.
Gut, dass du heute eine Spur im Atem gefunden hast. Morgen spüren wir eine Form, die auftauchen und wieder verschwinden kann.
Das waren deine Meerblicke von Juist für heute. Schön, dass du da bist.
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